Die Büttelschelte

Als das halbe Jahr um war, trat der Schultheiß wieder in Pfeffers Haus und sagte: "Es ist nunmehro kein Glück bei der Lustbarkeit und dem Fiedelspiel! Ein Büttel hat ein besseres Auskommen als ein Fiedelspieler! Willst du nicht Büttel werden zu Stetten?"
"Genügt euch einer nicht?" fragte Pfeffer
"Die Missvergnügten mehren sich ", antwortete der Schultheiß, "es ist alle Nacht Lärm, Streit und Stechen, weil die allgemeine Not wächst! Wir brauchen einen zweiten Mann!"

"Was tut Ihr mit einem Büttel, der selber missvergnügt ist?" fragte ihn Pfeffer.
"Wer will die ansehen, ob du vergnügt oder missvergnügt seist!" erwiderte der Schultheiß, "was ein richtiger Büttel ist, macht ein Gesicht wie ein Ochs!"
"Ihr versprecht euch zuviel von mir!" lachte Pfeffer.
"Ei, ei!" entgegnete der Schultheiß, "warum willst du deinen Vorteil nicht wahren, Pfeffer? Ist denn ein so großer Unterschied, ob du die Fiedel streichst oder die Schelle läutest?! Musik ist Musik!"
"Du sagst die Wahrheit und weißt es nicht!" antwortete Pfeffer, "ein Büttel ist bisweilen der größte Musikmeister! Wenn einer zur Fiedel nicht tanzen will, zur Schelle muß er tanzen!"
"Du sagst's!" fuhr der Schultheiß fort, "wie steht's, willst du die Stelle nehmen? In vierzehn Tagen ist Hochzeit!"
"Ich will euch alle zur Schelle tanzen lassen!" sagte Pfeffer, und gab dem Schultheiß das Geleit vor die Tür. Als er wieder in seiner Stube war, trat er vor den Spiegel, schaute hinein und sagte: "Sehe ich so aus wie einer, der die Magdalene heiratet?!"

Aber der im Spiegel schüttelte den Kopf. Auf dem Tisch lag ein Brief, den ihm die Mirzl
geschrieben hatte. Er nahm ihn und las:

Mein lieber Pfefferer!

Ich habe viel Zeitlang und große Sehnsucht nach
Dir! Die Glocke an meiner Bläsi läutet allweil -

Pfeffer, wo bleibst, wo bleibst?

Da stößt der Ochs nach ihr, und seine Schellen tut -

Aber der Hi=asl!
Aber der Hi=asl!

Du mußt wissen, daß der Hiasl von Au jeden zweiten
Tag zu mir auf die Alm heraufkommt und immer
vom Heiraten daherredet!
Aber ich mag das Hiaslgeläut nicht hören!

Vergiß nicht Deine
herztreue Mirzl
aus Bayrisch Zell!

Pfeffer tunkte die Gansfeder ein und schrieb ihr zur Antwort:

Dein korzer Brief aus Bayrisch Zell,
Der läutet wie ein Glöcklein hell
Und schöner als die Büttelschell!

Eh es mit mir hier geht zu End,
Stäub ich die Füß mir ab und Händ -
Und ins Chur-Bayrische mich wend!

Wie ich unlängst geporzelt bin
Auf Hirn und Steiß, und schlug so
Das geht mir gar nicht recht in Sinn.

Doch Pfeffers Art ist nicht der Storz;
Er steiget wieder auf, und korz
Und gut: Ich geh des Orts!

Dein Pfeffer!

 

-o-

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