Jürgen Hepperle

Die Evangelische Mauritius-Kirche 

zu Kernen - Rommelshausen

Kleiner Kirchenführer zum 150jährigen Jubiläum


Inhaltsverzeichnis

Vorwort


Zur Geschichte der Evang. Mauritius.Kirche

Ein kleiner Führer zur Evang. Mauritius.Kirche

Die restaurierte und erweiterte Orgel

Impressum:

Herausgeber: Evang. Kirchengemeinde Rommelshausen
Pfarrer Jürgen Hepperle
In den Kirchgärten 3/2, 71394 Kernen i.R.
Tel.: 07151/43121

Herstellung: K V G Kopier- und Verlags GmbH
Wilhelmstraße 8, 71394 Kernen iR,
Tel.: 07151/41977


Vorwort
Nach der Renovierung und Restaurierung unserer Evang. Mauritius-Kirche 1985/86 habe ich immer wieder Führungen angeboten. Zunächst wurde von einzelnenGemeindemitgliedern und schließlich ganz "offiziell" vom Kirchengemeinderat dieBitte an mich herangetragen, ich möge doch das bei Führungen Gesagte schriftlichfixieren. Dieses Vorhaben erwies sich als weit umfangreicher, als ich zunächst angenommen hatte. Denn nachdem ich verschiedene Bücher und Unterlagenzur Rommelshäuser Kirche gesichtet hatte, erschien es mir sinnvoll, die Kirche nichtnur zu beschreiben, sondern auch wesentliche Daten ihrer Geschichte zu dokumentieren.Dabei habe ich auf folgende Literatur zurückgegriffen:


Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg, Rems-Murr-Kreis, bearbeitet von Adolf Schahl, Deutscher Kunstverlag 1983

Heinz Erich Walter (Herausgeber), Das Ortsbuch von Rommelshausen i.R.,
Walter-Verlag Ludwigsburg 1973

Horst Lässing (Herausgeber), Der Rems-Murr-Kreis,
Konrad Theiss-Verlag Stuttgart 1980

Horst Wengerter, Dokumentation über die freigelegten Malereien in der
Evang. Mauritius-Kirche von Rommelshausen,
1986 (bei den Pfarramtsakten)

Dokumente des Turmknopfes

Akten des Evang. Pfarramts Rommelshausen zu Kirche und Orgel.


Viele waren mir bei der Erstellung dieses Büchleins behilflich. Zunächst denke ich an Herrn Gustav Käfer, der die Fotos machte und auswählte. Bei der Durchsicht alterAkten hat mir vor allem Frau Annemarie Bubeck geholfen, ebenso Frau Dorothea Käfer, die auch das Manuskript tippte. Zur Beschreibung der Orgel stellten Dr. KlausKönner, Kurt Enßle und Christoph Naacke ihre für die Orgelfestschrift verfaßtenArtikel zur Verfügung. Schließlich hat meine Frau das Manuskript durchgesehen und die Korrekturabzüge gegengelesen. Ihnen allen danke ich ganz herzlich.

Mit diesem Büchlein hoffe ich, allen Interessierten ausreichend Informationen überunsere Kirche an die Hand zu geben. Da alle Arbeit daran ehrenamtlich geschah, bezieht sich der Preis auf die Druckkosten. Er ist allerdings so kalkuliert, daß etwa1/4 des Erlöses der Erhaltung der Kirche zugute kommt.

Kemen i.R., im Oktober 1994

Jürgen Hepperle, Pfarrer

 

Die Evang. Mauritius-Kirche nach der Restaurierung 1985/86
Das spätgothische Kruzifix aus den frühen 16. Jahrhundert; im Chorbogen Malereien aus der Zeit um 1470

Zur Geschichte der Evang. Mauritius Kirche

Die alte Kirche aus dem 14. Jahrhundert


Die älteste urkundliche Erwähnung Rommelshausens findet sich in der ZwiefalterChronik Bertholds (1137/4 1). Damals schenkte ein Cunrat de Rumoldishusen dem Zwiefalter Kloster ein Hofgut in Eningen. Nur wenig später, am 21. November 1146,wird Wortwin de Rumoldeshusen als einer der Zeugen eines in Würzburg geschlossenen Vertragesgenannt.

Auch das Bestehen der Pfarrei kann für das Mittelalter nachgewiesen werden. In denUnterlagen des Dekanats Grunbach wird Rommelshausen 1275 als selbstständige Pfarreierwähnt. Eine Nennung von 1324 besagt, daß sie zum Dekanat Cannstatt gehörte.

Aufgrund dieser Belege vermuteten die Pfarrer G.F. Müller und M. Beßler (OrtsbuchS. 218), daß der Turmchor als ältester Teil der heutigen Kirche bereits vor 1275errichtet worden sein mußte. Das läßt sich aber nicht belegen. Neuere Untersuchungendatieren den Turmchor wegen seiner baulichen Merkmale, vor allem wegen des Gewölbes, in das14. Jahrhundert. Seit 1408 ist urkundlich belegt, daß die Kirchedem heiligen Mauritius geweiht war. 

Die alte Kirche war ausgemalt. Mindestens für den Bereich des Turmchors ist dasseit der Renovierung 1985/86 nachgewiesen. Die damals freigelegten Secco-Malereienstammen aus dem 3. Viertel des 15. Jahrhunderts (A. Schahl, Seite 424) oder etwasspäter aus der Zeit um 1500 (Restaurator H. Viengerter, der 1985/86 die Freilegungund Restaurierung der Gemälde durchführte). Unter dieser figürlichen Malerei wurdenReste einer flächigen Malerei gefunden, die wahrscheinlich in die Zeit um 1400 zudatieren ist. Nach der Reformation in Württemberg, also nach 1534, wurde der Turmchor ornamental übermalt. Ein Dokument dieser Ausmalung ist in der Mittedes Gewölbes erhalten.

Die alte Kirche wurde mehrmals renoviert und vermutlich 1613 nach Norden erweitert. Möglicherweise wurde in diesem Jahr auch der Turmchor,vielleicht auch nur Teile davon, neu bemalt, An der Nordseite ist ein Rest von Malerei mit der Jahreszahl
16..erhalten.

Die weiteren Veränderungen, die die frühere Kirche erfuhr, sollen in diesem Kirchenführer nicht erwähnt werden. Interessierte Leser finden mehr dazu bei A.Schahl (S. 424) und im Ortsbuch Rommelshausen (S. 218 f.). Jedenfalls war die alteKirche um 1830 baufällig und auch zu klein geworden, so daß man sich entschloß,den Turmstumpf mit dem Turmchor zwar zu erhalten, das Langhaus der Kirche und den Turmhelm aber abzutragen und neu zu gestalten. Glücklicherweise waren jedochAnsichten und Grundrisse der alten Kirche vorher festgehalten worden, so daß wiruns heute ein relativ genaues Bild ihres damaligen Aussehens machen können.

Der Bau der Kirche 1843/44

Der mit der Planung beauftragte Stadtbaumeister A. Föhr aus Stuttgart legte 1838einen Entwurf (Projekt I) vor. Die im Ortsbuch Rommelshausen (S. 229) enthalteneAussage, die Kirche sei nach Plänen von Holbaumeister Gaab aus Stuttgart gebautworden, läßt sich aus den vorhandenen Unterlagen nicht belegen. Die nennen eindeutigA. Föhr als Planer. So heißt es z.B. in der im Turmknopf enthaltenen Urkunde vom22. Juni 1844: "Die Zeichnung und die Anleitung dazu entwarf Stadtbaumeister Föhr".Möglicherweise kam es zu dieser Verwechslung, weil das Projekt mit seiner Mischungaus neoromanischen und byzantinischen Elementen an den Baustil Gaabs erinnert. Da der Gemeinderat diesem Projekt nicht zustimmte, legte A. Föhr 1843 Projekt IIvor. Dieser Entwurf orientierte sich an der Gotik and wurde im wesentlichen in dasProjekt III übernommen, das man dann verwirklichte. Die Änderungen betrafen vorallem den Turm. Da der Untergrund wegen des nahen Abhanges am Krettenbach wenig stabil erschien, entschloß man sich, den Turin etwas niedriger and leichter zubauen ("aus Holz mit Steinen übermauert" so das Genehmigungsschreiben des Konsistoriums). Man verzichtete auf einen Sakristeianbau und trennte durch einemit Malwerk verzierte Holzwand den Turmchor vom Kirchenschiff ab. In den dadurchgewonnenen Raum wurde eine Decke eingezogen. So hatte man unten Platz für die Sakristei und einen Aufgang zur Kanzel und oben war - durch einen eigenen Aufgang zu erreichen - der Läuteboden.

Am 7. Juli 1843 beschloß der Stiftungsrat das Bauvorhaben und am 11, Juli 1843 wurde es vom Konsistorium genehmigt.Bald danach wurde mit den Arbeiten begonnen. Zunächst war Wilhelm Lettenmeyer als ausführender Architekt tätig. Als er aus Gründen der Weiterbildung Stuttgart verließ, übernahm Architekt Rudolf Arnold aus Stuttgart diese Aufgabe.

Die ausführenden Handwerker waren:

Steinmetz- und Maurermeister Gebrüder Gottlieb and David Bader aus Stetten,
Zimmermann Johannes Klett und Christian Grotz aus Rommelshausen,
Flaschnermeister Ferdinand Schaeff aus Stuttgart (Turmdach),
Schlossermeister Heinrich Hoppe aus Stuttgart (Turmspitze),
Schmiedemeister Hoffmann and Andreas Wolff aus Rommelshausen
Gipser- and Malermeister Friedrich Schönbein and Ferdinand Weigle aus Cannstatt,
Schreinermeister Gottlieb Alber aus Rommelshausen and Heinrich Dick aus Stetten,
Glasermeister Gottlieb Bloß aus Fellbach,
Bildhauer J. W. Krauß aus Stuttgart (Stuck),
Vergolder und Spiegelfabrikant Carl Fack aus Stuttgart (Turmhahn),

Links der erste, rechts der schließlich verwirklichte dritte Entwurf.

Die Detailpläne einschließlich der Zeichnungen für sämtliche Verzierungen entwarf und fertigte Architekt R. Arnold, 

Am 7. September 1844 konnte das Gebäude mit einem Festakt und einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht werden. Rommelshausen hatte nun eine stattliche Kirche mit etwas über 566 Plätzen bei 1300 Einwohnern. Die Kirche gehört zu den frühesten Baudenkmälern der Neugotik in Württemberg.


Erneuerungen und Umbaumaßnahmen

1884 wurden in der Kirche 3 Öfen aufgestellt, für den nötigen Rauchabzug sorgten einfache Rohre.
1891 wurde bei Carl Baur, Ludwigsburg, eine neue Turmuhr gekauft.
Von 1963 bis 1968 wurde durch Oberbaurat Heinrich Dolmetsch aus Stuttgart und nach dessen Tod durch die von seinem Sohn gegründete Kirchbau-Firma Th. Dolmetsch and F. Schuster eine größere Renovierung durchgeführt. Sie umfaßte folgende Maßnahmen:

-Einbau eines Oberlichts zur Verbesserung der Lichtverhältnisse für die Kanzel (1903)
-Bau zweier Kamine an den Längsseiten der Kirche und Verbesserung der Heizung (1963)
-Umhängung der 4 Glocken, damit sie einfacher bedient werden konnten (1965)
-Verputzen des Kirchturms, Streichen des Turmdaches, Vergoldung des Turmhalses (1968)
-Neue Ausmalung der Kirche und Streichen der Bänke, des Altars, der Kanzel, der Emporebrüstung und des Orgelgehäuses (1968)
-Restaurierung der wiederentdeckten spätgotischen Malereien im Chorbogen (Abbildung des Gleichnisses der 10 Jungfrauen)
-Aushebung der Orgel zu gründlicher Reinigung and Reparatur durch Gebr. Link, Giengen.

Auch hier sollen wieder die beteiligten Handwerker genannt werden vielleicht erkennt der eine oder andere Leser einen seiner Vorfahren:
Malermeister Eugen Wörnle, Stuttgart,
Gipsermeister Ernst and Wilhelm Schweizer, Waiblingen, mit Beteiligung von Gipsermeister Fuchs, Stetten,
Flaschnermeister Gottlieb Friedrich Wörner, Rommelshausen
Schreinermeister Karl Bubeck, Rommelshausen
Schlossermeister W. Mergenthaler, Fellbach
Glasermeister Reinhold Friedrich Haufler, Rommelshausen
Maurermeister Karl Friedrich Baumgärtner, Rommelshausen.

Von 1909-1911 entstanden 2 Wandbilder seitlich des Chorbogens von Helene Kob aus Stuttgart: Durch Mose gibt Gott Wasser aus einem Felsen (2. Mose 17,1-7 und 4. Mose 26,2-13) und Erhöhung der Schlange (4. Mose 21,4-9).

1954 wurde die Kirche durch Architekt H. Klatte innen erneuert:
Es wurden neue, in Blei gefaßte Fenster aus Antikglas installiert und der Boden erhielt einen neuen Plattenbelag. Vor allem aber entfernte man fast alle neogotischen Verzierungen aus der Kirche. Der Altar wurde durch einen einfachen Steinaltar ersetzt,an die Stelle der Maßwerk-Trennwand im Chorbogen trat eine Mauer mit Türe. Man entfernte die Maßwerke der Bogenfelder über den Eingangsportalen sowie fast alle Verzierangen an Emporebrüstung, Orgelprospekt, Kanzel und Schalldeckel. Dann wurde die gesamte Kirche unter Beratung von Prof. Jelin dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend farblich neu gestaltet.
Die mittelalterlichen Malereien im Chorbogen wurden von H. Manz restauriert, ebenso die Bilder, die man im Turmchor freigelegt hatte: an der Ostwand Teile der Darstellung des Höllenrachens, an der Nordwand die Opferung Isaaks and zweier Personen mit Spruchbändern (wahrscheinlich Propheten), an der südlichen Chorbogenwand Teile der Auferstehung Jesu bzw. der Mauritius Legende, an der Südwand zwei der drei Weisen aus dem Morgenland. Außerdem restaurierte Ulrich Henn das Kruzifix.

Die Kirche vor der Renovierung von 1954

1956 erhielt die Sakristei an der Südseite des Turms einen eigenen Zugang.

1975 wurde mit einer Turmerneuerung begonnen. Eigentlich sollte nur ein neuer Putz aufgebracht werden. Aber bei Nachforschungen am Gebälk stellte man fest daßviele tragende Balken schon stark vermodert waren, so daß mit der Zeit Einsturzgefahrbestanden hätte. So wurde aus der beabsichtigten Renovierung eine grundlegende Sanierung: Die abgängigen Balken wurden durch neue ersetzt und der gesamteTurmhelm neu ausgemauert. Ebenso wurde das Turmdach neu gestrichen und mit neuen Dachrinnen und Fallrohren versehen. Außerdem erhielt der Hahn eine neueVergoldung. Wegen der unvorhergesehenen Ausweitung der Arbeiten zogen sich diesebis Oktober 1977 hin.

1978/79 konnte man dann die Außenerneuerung des Kirchenschiffs in Angriff nehmen.Das feuchte Mauerwerk wurde saniert und abgestrahlt, das Dach neu gedeckt und dasGewölbe des Kirchenschiffs isoliert. 


1983 spendete und installierte die Freiwillige Feuerwehr Rommelshausen eine Anlage,die es ermöglicht, Kirchturm und Kirche nachts anzustrahlen.

1985/1986 wurde eine umfassende Innenrenovierung der Kirche vorgenommen unter der Leitung vonArchitekt H. Wendschuh aus Stuttgart. Man ließ sich dabei von 3Gesichtspunkten leiten und führte folgende Maßnahmen durch
1. Gründliche Sanierung
• Isolierung der Außenwände gegen Feuchtigkeit, vor allem îm Turmchor
• Ausheben des seitherigen Fußbodens, Einbringen eines isolierten Betonbodens
• Verlegung eines Steinbodens (Gauinger Tuff) in den Verkehrsflächen des Kirchenschiffs, eines Eichenparketts im Bereich der Bänke sowie eines Sandsteinbodensin Turmchor und Altarbereich
• Installierung einer neuen Heizungsanlage (Kombination von Bankstrahlerheizung,Konvektoren und Fußboden-Nachtspeicherheizung)
• Erneuerung des Windfangs beim Hauptportal und Einrichtung eines Windfangs am Nebeneingang
• Isolierverglasung der Fenster
• neuer Riemenboden auf der Empore
• Erneuerung der gesamten elektrischen sowie der elektro-akustischen Anlage
2. Verbesserung für den gottesdienstlichen Gebrauch
• Erneuerung der Bänke
• Neue Anordnung der Bänke: im Kirchenschiff in 4 Blöcken, die durch einen Mittelgang und 2 Seitengänge entlang der jeweiligen Außenseiten der Pfeilervoneinander getrennt sind, auf den Seitenemporen nur 3 statt bisher 4 Bankreihen auf einer besseren Abtreppung.
• Entfernung der Bänke an der Orgelempore und Bestuhlung, Veränderung der Abtreppung (nur eine Stufe, die zum Turmchor orientiert ist)
• Neugestaltung des Altarraumes durch Entfernung der in Längsrichtung aufgestellten Bänke und Schaffung eines größeren Podestes um den Altar, auf dem auch ein neues, transportables Sprechpult Platz fand
3. Restaurierung im ursprünglichen Stil
• Entfernen der Einbauten des Turmchors und Öffnung zum Kirchenschiff
• Freilegung und Restaurierung der Fresken (eigentlich Secco-Malereien) aus dem 3. Viertel des 15. Jahrhunderts (durch diese Maßnahmen wurde ein neuerAbgang zu Kanzel und Turm sowie ein Sakristeianbau an der Nordseite des Turmes nötig, der mit Wasser- und Abwasseranschluß, einschließlich WC, versehen wurde)
• Ergänzung der neugotischen Verzierungen an Emporebrüstung, Kanzel und Schalldeckel durch Nachbildungen aufgrund historischer Fotografien
• Farbliche Fassung der Kirche in den Originalfarbtönen von 1844.

Mit der Renovierung wurde nach Ostern 1985 begonnen, wobei viele Gemeindemitglieder die anfänglichen Arbeiten (Ausräumen der Kirche, Ausheben des Bodens der Kirche und der Fundamente für den Sakristeianbau, Verlegung der Wasserleitung)in Eigenleistung erledigten. Die Arbeiten im Kirchenschiff gingen zügig voran, sodaß am Samstagabend, 8. März 1986, ein Dankgottesdienst zur Einweihung des Kirchenschiffs gefeiert werden konnte; am 9. März war dann die erste der beidenKonfirmationen.

Die Freilegung der Malereien im Turmchor war weit schwieriger als zunächst angenommen. Die Arbeiten zogen sich bis in den Herbst hin. Während dieser Zeit erhielt der Turmchor zwei neue, von Anne Dore Kunz-Saile aus Stuttgart künstlerisch gestaltete Fenster, die beide gespendet wurden. Beim Gemeindefest am 9. November1986 konnten dann der restaurierte Turmchor mit den neuen Glasfenstern der Gemeinde vorgestellt werden.

Die Kosten konnten dank der großen Spendenbereitschaft der Gemeindemitglieder sowie der Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln, der Gemeinde Kernen i.R. und des Landesdenkmalamtes ohne Aufnahme von Krediten direkt finanziert werden.

In der Nacht vom 27. zum 28. Januar 1994 riß ein Sturm den Hahn vom Turm. Aus Gründen der Sicherheit war es nötig, den Stab zu erneuern, der Kreuz und Hahn trägt. Der Hahn wurde wieder in seine alte Form gebracht und neu vergoldet.

Das Gelände um die Kirche erhielt seine heutige Gestalt im wesentlichen in 3 Schritten:
1966 wurde bei der Errichtung des Gemeindehauses die nach Osten hin gelegene Kirchhofmauer (also zwischen Kirche und Gemeindehaus) eingeebnet und eine durchgängige Grünanlage geschaffen. 1967 trug man bei der Erneuerung der Stichstraße vom alten Rathaus zum Gemeindehaus den südlichen Teil der Kirchhofmauer ab. 1979 erhielten die Wege einenMakedam-Belag. 1989 wurde im Rahmen der Ortskernsanierung der nach Westen gelegene Eingangsbereich zur Kirche mit Stufen und Plattenbzw. Steinen aus Granit neu gestaltet.


Ein kleiner Führer zur Evang. Mauritius.Kirche

Die Kirche von außen

Der Grundriß des Kirchenschiffs ist rechteckig, der des Turmchors quadratisch.

An der Westseite der Kirche befindet sich das Hauptportal. Das Maßwerk des Bogenfeldes wurde 1954 durch eine schlichte Verglasung ersetzt.

Auf beiden Seiten des Portals erinnert ein Denkmal an die Gefallenen des 1. Weltkriegs 1914-1918 mit zwei Reliefs, die 1922 von E. Frey geschaffen wurden.Auf der Westgiebelspitze befindet sich ein Kreuz aus Gußeisen von 1844.

An der Ostseite des Kirchenschiffs sind zwei Spitzbogenportale. Die Maßwerke der Bogenfelder wurden 1954 entfernt und durch eine Mauer ersetzt. Das nach Süden gelegene Portal dient nach wie vor als Eingang zur Kirche, das nach Norden gelegenewurde durch den Sakristeianbau von 1985/86 zur Verbindungstüre zwischen Sakristei und Kirche.
Die in Blei gefaßten Fenster wurden 1954 installiert und 1985/86 mit einer zusätzlichen Isolierverglasung versehen. Der alte Teil des Turmes (14. Jahrhundert) istlisenengefaßt. Die weiteren Aufbauten sowie die Wasserspeier und die Kreuzblumen der Giebel sind von 1844. Den Turm ziert ein großes schmiedeeisernes Kreuz und ein aus Kupfer getriebener vergoldeter Hahn, beide von 1844. Der Stab, der Kreuz und Hahn trägt, wurde 1994 erneuert.

Die Kirche von innen

Das 1843/44 errichtete Kirchenschiff ist im Stil einer dreischiffigen Basilika gestaltet.Die Pfeiler und das Gewölbe sind aus Holz, das mit Stuck versehen wurde,

Bei der Restaurierung 1985/86 wurden die 1954 von Kanzel, Schalldeckel und Emporebrüstung entfernten neugotischen Verzierungen wieder ergänzt. Die Taube - Symboldes Heiligen Geistes -, die ebenfalls 1954 aus dem Schalldeckel den Kanzel entfernt worden war, wurde ersetzt durch einen Abdruck der Taube, die sich in der Rokokokanzel der Kirche St. Peter und Paul in Weil der Stadt befindet.

Die Kirche ist in den ursprünglichen Farbtönen von 1844 gestrichen. Diese Farbtöne sind eigentlich noch den Zeit des Biedenmeier und nicht der etwas späteren Neugotikzuzuordnen. Das wird verständlich, wenn man bedenkt, daß die Rommelshauser Kirche zu den frühesten Baudenkmälern den Neugotik in unserem Raum gehört. Die Gewölbe im Mittelschiff werden durch aus Holz geschnitzte und bemalte bzw. vergoldeteSchlußsteine abgeschlossen, die 1985/86 restauriert wurden.

An den Außenwänden der Emporen befinden sich am Ausgangspunkt der Bögen Schilde(restauriert 1985/86), auf denen die Namen jener stehen, die zur Zeit des Kirchenbaues Gemeinderäte waren. Der Boden den Kirche wurde 1985/86 erneuert, ebenso die Bänke und deren Anordnung, die Beleuchtungskörper und dieWindfänge.
Den Taufstein von 1844, den früher in den Mittelachse der Kirche vor dem Altar stand, wurde schon 1954 an seinen jetzigen Platz gerückt. Der einfache Steinaltar,von Bildhauer Emil Kappeler geschaffen, kam 1954 an die Stelle des ursprünglichen Holzaltares von 1844.

Der kunstgeschichtlich wertvollste Gegenstand in der Kirche ist das Kruzifix ausdem frühen 16. Jahrhundert. Es wurde 1954 von Ulrich Henn restauriert. "Der Kruzifixus ist in der Modellierung des hochgezogenen und ausladenden Brustkorbes,sowie der eingezogenen Magengrube, auch in der Haltung des tief geneigten Hauptesund der Anordnung des Lendentuches ein typisches Werk der Seyfer-Schule" (Schahl,S.433).

Der Turmchor
Der Turmchor ist als einziger Bauteil der alten Kirche erhalten und stammt in seinerjetzigen baulichen Gestalt aus dem 14. Jahrhundert. Möglicherweise gehen Teile derMauer ins 13. Jahrhundert zurück. Die größtenteils 1985/86 durch H. Wengerter ausBesigheim freigelegten end restaurierten Malereien wurden auf trockenen Putz (Secco-Technik) aufgebracht.
Zur Art der Restaurierung ist anzumerken: früher wurden die zerstörten Teile einesBildes durch den Restaurator ergänzt. Das ist an den Malereien im Chorbogen zu sehen. Bei der Restaurierung 1985/86 wurden die alten Farben freigelegt, gereinigtund konserviert. Was an den Malereien fehlte, wurde nicht ergänzt, aber man führtedie originalen Farbtöne durch Punkte fort. So entsteht ein besserer Eindruck von denGemälden und es bleibt doch zu erkennen, was zur ursprünglichen Substanz gehört
und was durch den Restaurator hinzugefügt wurde.

Südwand
Das Fenster gehört zum Bestand der alten Kirche aus dem 14. Jahrhundert, wahrscheinlich war es früher etwas größer. Für die Türe wurde erst 1956 ein Durchbruchgeschaffen. Unten neben der Türe befindet sich eine Mauer aus Sandsteinen. Dahinter verbirgt sich eine Nische, die bei der Restaurierung 1985/86 entdeckt wurde, als man einen lockeren Stein herauslöste. Das schwarzgelbe Band und die Draperie laufen in der Nische weiter, wobei das Band etwas schmäler ist. Dadurch entsteht eine größere Tiefenwirkung. Die Nische wirkt heute so, als sei sie zu nieder in die Mauer eingefügt, aber in deralten Kirche lag der Boden etwa einen Meter tiefer.

Oben auf der östlichen Seite der Südwand befindet sich die Darstellung eines Propheten.

Man vermutet, daß es Daniel ist, denn er wurde oft in Verbindung mit neutestamentlichen Themen gemalt. Ferner befindet sich das Bild unmittelbar neben dem Löwen des Deckengemäldes (evtl. eine Anspielung auf die Erzählung von Daniel in der Löwengrube) und schließlich entspricht die Darstellung mit Turban und Schriftband auch sonst bekannten Danielbildern.
Daneben ist ein großes Bild von der Ankündigung der Geburt Jesu zu sehen. Mariasitzt an einem Lesepult, wie man sie im Mittelalter hatte. Ihr erscheint der EngelGabriel end kündigt an, daß sie den Erlöser, den Sohn Gottes zur Welt bringen werde(Lukas 1,26-38). Darunter befindet sich ein leider sehr zerstörtes Bild von derGeburt Jesu. Nur noch Reste sind erhalten: Josef, der seine Hände zum Gebet faltet,Maria, die Krippe und im Hintergrund die Weisen aus dem Morgenland (Matthäus 2,1.12).Ganz unten finden sich kümmerliche Reste eines Bildes, das die Flucht nach Ägypten
darstellen könnte. Nach Matthäus 2,13-15 ging Josef mit Maria und dem Kind nachÄgypten, um dort in Sicherheit zu sein vor den Anfeindungen des Königs Herodes.Denn Herodes wollte das Leben des verheißenen Messias auslöschen. Davon berichtetdas sich auf der Westwand anschließende Bild.


Westwand und Chorbogen
Die südliche Seite der Westwand ist mit einem Bild des Kindermordes von Bethlehembemalt. Nach Matthäus 2, 16-18 ließ König Herodes alle Kinder unter 2 Jahren inBethlehem und der näheren Umgebung töten, weil er von den Weisen aus dem Morgenland gehört hatte, der künftige Konig sei dort geboren worden. Das Bild zeigtHerodes auf dem Thron und Soldaten, die Kinder töten.

Die Darstellung auf der südlichen Seite oben ist nicht sicher zu deuten. Es könnte die Auferstehung Jesu sein mit den Soldaten, die seinGrab bewachen mußten (Matthäus 27,62-28,15). Da aber das gegenüberliegende Bild eine Heiligenlegende zum Inhalt hat, spricht mehr für die Deutung, daß es eine Darstelleng des heiligen Mauriutius ist, demdie Kirche geweiht war. Mauritius war einer der Führer der thebäischen Legion, die inTheben, Oberägypten, ausgehoben worden war. Da er sich weigerte, den alten Göttern Opferzu bringen, ließ ihn Kaiser Maximian zwischen 287 und 300
in der heutigen, an der Rhone im Wallis gelegenen Stadt St. Maurice enthaupten.

Auf der nördlichen Seite der Westwand sieht man ein Bild über die Legende der 10000 Märtyrer, als deren Anführer Achatius gilt. Unter Kaiser Hadrian wurden 5000 Christen, die heidnisehe Opfer verweigert hatten, am Berg Ararat zum Tode verurteilt. Aufgrund ihres mutigen Bekenntnisses bekannten sich weitere 5000 zum
christlichen Glauben. Alle 10000 wurden getötet und in die Dornen gestürzt.
Der Chorbogen enthält eine Darstellung des Gleichnisses der 10 Jungfrauen. Diese mußten lange auf den Bräutigam warten, da er später als erwartet zum Fest eintraf (Matthäus 25,1-13). Auf der südlichen Seite sind die klugen Jungfrauen mit erhobenen Lampen dargestellt, die dem Bräutigam entgegen gehen und mit ihm feiern konnten, weil sie noch zusätzliches Öl mitgenommen hatten. Auf der nördlichen Seite sind dietörichten Jungfrauen mit gesenkten Lampen abgebildet, die keinen Ölvorrat hatten und deshalb vom Fest ausgeschlossen wurden,

Nordwand

In der Nordwand befindet sich im unteren Bereich eine kleine Nische, die früher als Tabernakel diente. Es konnte durch eine schmiedeeiserne Türe verschlossen werden. Der Maler hat deren Verzierungen aufgenommen und ein gotisches Türmchen zum Tabernakel gemalt, das noch gut zu erkennen ist.
Die Nordwand wird bestimmt durch die Darstellung "Jesus in der Kelter". Damit wird versucht, die Bedeutung des Todes Jesu verständlich zu machen: So wie eine Weintraube gekeltert werden muß, damit wir den Wein genießen können, mußte Jesus sterben, damit uns bleibendes, sinnerfülltes, ewiges Leben möglich wird.
Zu diesem Grundthema sind weitere Gedanken der Leidensgeschichte Jesu bildlich festgehalten. In Lukas 22, 42f heißt es: "Jesus sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel und stärkte ihn" Zwei Engel und Gott mit dem Heiligen Geist in einer Wolke sind oben abgebildet. Außerdem erkennt man unten in
der Mitte zwei Engel, die einen Kelch halten. Das weist uns einerseits darauf hin, daß Jesus den Weg ans Kreuz gehen mußte und andererseits, daß uns Jesu Blut im Abendmahl zugute kommt. Diese Themen, Opfertodund Abendmahl, werden durch zwei Darstellungen aus dem Alten Testament ergänzt: Unten auf der westlichen Seite sehen wir die Zelte Israels auf dem Weg durch die Wüste, auf dem Weg aus der Knechtschaft inÄgypten in das verheißene Land, Frauen sammeln Manna in Körbe, das "Brot", mit dem Gott die Israeliten speiste. Das Manna weist auf Jesus und da s Abendmahl hin. Nach Johannes 6,31f,51 sagt Jesus: "Unsere Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht (Psalm 79,24): Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen... Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich gebenwerde für das Leben der Welt".
Unten, etwas nach Osten von der Mitte, ist eine Darstellung der "Opferung Isaaks" (1. Mose 22,1-14). Isaak kniet auf einem Altar, Abraham schwingt das Schwert über ihm, aber Gott verschont Isaak. In der frühen Christenheit sah man in dieser Geschichte einen Hinweis auf das Opfer Jesu, das zu unserer Erlösung nötig war.
Auf beiden Seiten der beschriebenen Malereien sind jeweils 4 Bilder, wahrscheinlich von Propheten oder Zeugen des Alten und Neuen Testaments. Leider kann man nicht erkennen, um welche Personen es sich handelt, da die Aufschriften der Spruchbänder nicht mehr lesbar sind. Schließlich läßt sich oben noch die Hälfte einer Jahreszahlerkennen: "16..". Es ist denkbar, daß in Verbindung mit der Erweiterung der alten Kirche im Jahre 1613 im Turmchor diese Jahreszahl festgehalten wurde.


Ostwand

Die ganze Wand stellt das Thema "Jüngstes Gericht" darin Anlehnung an das Gleichnis vom Endgericht aus Matthäus 25,31-46. Oben über dem Fenster steht Jesus Christus als Richter, umgeben von Engeln. Darunter sind Bilder von sich öffnenden Gräbern, aus denen Tote auferstehen.Südlich des Fensters, von Jesus aus gesehen zu dessen linkerSeite, ist der Ort der Verdammnis dargestellt in Form eines Drachens, der sein Maul weit aufreißt. Gegenüber, von Jesus aus gesehen zu dessen rechter Seite, ist das himmlische Jerusalem dargestellt wie eine mittelalterliche Stadt mit Fachwerkhäusern. Davor stehen die Erlösten: "Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihrGesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich 
gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Fremdling gewesen, undihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. ...Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern,das habt ihr mir getan" (Matthäus 25,34-36,40b).

Die Zuordnung der Themen zu den einzelnen Wänden ist durchdacht. Während die Südwand im wesentlichenverschiedene Aspekte der Geburt Jesu darstellt, beschreibt die gegenüberliegende Nordwand Sinn undBedeutung des Todes Jesu.

Auf der Westwand ist dargestellt, wie weltliche Herrscher Jesus und seine Nachfolgerunterdrücken und sogar töten. Die gegenüberliegende Ostwand macht deutlich: Auch wenn es den Anschein hat, daß die Mächte des Bösen siegen -Jesus, der Gekreuzigte, ist der Herr der Welt und ihrer Geschichte! An ihm müssen sich alle messen lassen, die Lebenden und die Toten. An ihm und durch ihn wird entschieden, wer in Gottes Nähe leben und wer fern von ihm sein wird.

Betrachtet man die Wände von der Südwand aus im Uhrzeigersinn, ist ein weiterer Gedankengang zu erkennen: Jesus, der Sohn Gottes, auf wunderbare Weise geboren, erleidet Verfolgung und geht schließlich für uns in den Tod. Aber am Ende der Zeiten erweist er sich als Herr. Seine Herrlichkeit und Majestät werden allen sichtbar.

Schließlich können die Bilder in dieser Reihenfolge auch unter dem Gesichtspunkt der Nachfolger Jesu betrachtet werden. Die große Gabe des Glaubens an Jesus, den Sohn Gottes, kann inVerfolging und Tod führen. Aber keine der sich zu Jesus bekennt, wird von ihm vergessen. Zuletzt erwartet ihn ewige Freude in Gottes Nähe.

Gewölbe

Im Gewölbe sind Darstellungen der Symbole der 4 Evangelien. Ihnen ist jeweils einer der vier großenabendländischen Kirchenlehrer zugeordnet. Im südlichen Gewölbefeld sieht man einen geflügelten Löwen, das Symbol des Markus-Evangeliums. Ihm zugeordnet ist der Kirchenvater Hieronymus, zu erkennen an dem roten Kardinalshut.
Hieronymus wurde um 349 geboren. Die größte Leistung seines umfassenden literarischen Werkes ist die Schaffung eines zuverlässigen lateinischen Bibeltextes, der Velgata. Er starb 429 in Bethlehem. 
Wegen des Durchbruchs zur Kanzel sind die Malereien im westlichen Gewölbefeld fast ganz zerstört. Teile der Schwingen eines Adlers, das Symbol für das Johannes-Evangelium, sind noch zu sehen und ebenso die Reste einer Abbildung des Kirchenvaters Ambrosius (?). Der wurde 339 als Sohn eines hohen römischen Beamten in Trier geboren end 374 vom Volk zum Bischof von Mailand gewählt. Unter dem Eindruck seiner Predigten bekehrte sich Augustin. Ambrosius starb 397. In diesem
Feld befindet sich auch, ziemlich in der Mitte, ein Dokument der ornamentalen Übermalung des Turmchors aus der Zeit nach der Reformation in Württemberg, also nach 1534.

Das nördliche Gewölbefeld zeigt das Symbol des Matthäus-Evangeliums, einen Engel, und den Kirchenvater Augestin, den bedeutendsten Lehrer der alten Kirche. Augustin wurde 354 in Thargaste, im heutigen Algerien, geboren, Er setzte sich in seinen zahlreichen Schriften mit den Gegnern der Kirche und Irrlehrern auseinander. Dabei hat er die Schriften des Paulus in ihrer Bedeutung wiederentdeckt. Er war Bischof inHippo Regius in Nordafrika von 396 bis zu seinem Tod im Jahre 430.



Im östlichen Gewölbefeld befindet sich eine Darstellung eines geflügelten Stiers, des Symbols für das Lukas-Evangelium, und des Papstes Gregor des Großen. Dieser war von 559 bis 694 Papst und ist auf der Abbildung an der Tiara zu erkennen.

Die Kirchenfenster des Turmchores

Als man die Mauer im Chorbogen 1985 beseitigt hatte, waren alle Mitglieder des Kirchengemeinderats der Meinung, daß man künftig die Verbindung vom Kirchenschiff in dem Turmchor offen halten sollte, und daß es besonders schön wäre, wenn der Blick dann auf ein künstlerisch gestaltetes, farbiges Fenster fallen würde.Es fanden sich Spender, die es ermöglichten, zwei Glasfenster in Auftrag zu geben.
Man ging im Kirchengemeinderat von folgender Überlegung aus: Die Fenster sollten nicht vergangene Stilformen nachahmen, sie sollten sich aber harmonisch in den gotischen Turmchor einfügen. Anne Dore Kunz-Saile aus Stuttgart entwarf und fertigte die beiden Fenster. Die Themen wurden in enger Zusammenarbeit mit ihr entwickelt,

Ostfenster: Jesu Auferstehung

Wer vom Kirchenschiff in den Turmchor blickt, sieht auf das Bildnis des Gekreuzigten. Das Kreuz alssolches ist aber vieldeutig. Es kann als Zeichen der Niederlage gedeutet, als Ärgernis oder Torheit empfunden werden. Für die Christenheit ist es jedoch das Symbol derErlösung. Diese Eindeutigkeit bekommt das Kreuz Jesu erst durch die Auferstehung. In ihr bekennt sich Gott zu dem Menschen Jesus von Nazareth alsseinem Sohn und gibt ihm göttliche Macht und Herrlichkeit.

Im Mittelpunkt des Fensters steht Jesus, der Auferstandene, und neben ihm der Engel,der den zum Grab geeilten Frauen die Osterbotschaft verkündigt: "Entsetzt euch nicht!Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nichthier" (Markus 16,6). Den Frauen fällt es schwer, diese Botschaft zu fassen: "Und siegingen hinaus und flohen von dem Grab, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen"(Markus 16,8). Die Gesichter der Frauen spiegeln dieses Entsetzen wider.

Nach den Evangelien sind Frauen die ersten Zeugen der Auferstehung Jesu. Der Apostel Paulus nennt andere Zeugen und schreibt dann: "Zuletzt von allen ist er auchvon mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden" (1. Korinther 15,8), So kommtes, daß auf dem Fenster neben den ersten Zeuginnen auch der letzte Zeuge der Auferstehung, Paulus, zu sehen ist. Ihm erscheint Christus, als er nach Damaskuszieht, um die dortigen Christen zu verfolgen (Apostelgeschichte 9,1-19).

Links oben sieht man die Geburt Jesu (Lukas 2,1-20), daneben den Sündenfall (1.Mose 3). So ist Jesu Auferstehung in die Geschichte seines Lebens und in dieGeschichte der Menschheit eingebettet. Damit wird ein Gedanke aufgegriffen, den Paulus in Römer 5,12-19 beschreibt: durch Adam kam die Sünde in die Welt und mitihr der Tod. Durch Jesus sind Sünde und Tod überwunden.
Im oberen Bogenfeld finden sich 3 Symbole für die Dreieinigkeit Gottes:
- Der Regenbogen weist auf Gott, den Vater, hin und auf seine bleibende Treue inseiner Schöpfung (Gottes Bund mit Noah, 1. Mose 8 und 9).
- Die ineinander geschriebenen Buchstaben X und P sind im griechischen Alphabet dieBuchstaben "Chi" und "Rho", also die Buchstaben "Chr" für Christus.
- Die Taube weist hin auf Gott, den Heiligen Geist.

Die Farben des Fensters sind insgesamt eher zurückhaltend gewählt, mancher magsie auch als etwas "unterkühlt" empfinden. Die Künstlerin wollte damit erreichen,daß die blassen Reste der Seccomalerei durch das Fenster nicht erdrückt werden.Anders ist es beim kleineren Fenster in der Südwand. Hier wurden kräftigere Farbengewählt, denn einerseits sind die Malereien hier ohnehin stark zerstört, andererseitssollte mit den leuchtenden Farben die Dynamik zu Ausdruck gebracht werden, von der diePfingstgeschichte berichtet. 


Südfenster: Pfingsten

"Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie (die Jünger) alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einemgewaltigen Wind und erhellte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienenihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich an einen jeden von ihnen,und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in
andern Sprachen" (Apostelgeschichte 2,1-4). Dieses Ereignis ist im Bild festgehalten.Ausgehend vom dreieinigen Gott, im Bogenfeld dargestellt mit dem Symbol 

- eines in einem Dreieck gefüllten Auges für Gott den Vater
- eines Kreuzes für den Sohn und
- von Flammen für den Heiligen Geist,
kommt Gottes Geist über die Jünger.
Dazwischen geschoben sind 2 Bilder, die das Pfingstgeschehen deuten. Links ein Hinweis auf die Geschichte vom Turmbau zu Babel (1. Mose 11,1-9): Wo Menschensich an die Stelle Gottes setzen, ist nicht nur das Verhältnis zu Gott gestört,da zerbrechen auch die mitmenschlichen Beziehungen. Verschiedene Sprachen verhinderndas gegenseitige Verstehen. Pfingsten hebt diese Sprachverwirrung auf. Menschen aus verschiedenen Völkern und Erdteilen verstehen sich wieder.Daneben ist ein Schiff abgebildet als Symbol für die Kirche, ein Schiff, das durch dasMeer der Zeit fährt um in Gottes Ewigkeit, das Geborgenheit schenkt in den Stürmendes Lebens.

Glocken

Die Kirche hat ein Geläut von 4 Glocken:

1, Ton: g’, Höhe: 89 cm, Durchmesser 113 cm, Gewicht 740 kg, 1490 gegossen.

Mit letzter Sicherheit läßt sich die Herkunft der Glocke nicht belegen. Wahrscheinlich stammt sie aus der Gießerei von Bernhart Lachaman, Heilbronn. Sie trägt die Inschrift: "osanna heis ich in der er (Ehre) maria und der zveier heilgen sant mertin und sant jörgen er levt (läut) ich 1490".

2. Ton: b’, Höhe: 79cm, Durchmesser:95 cm, Gewicht: 437 kg, 1490 durch BernhartLachaman, Heilbronn, gegossen. Sie trägt die Inschrift: "osanne heis ich in santbernhart er levt ich Bernhart Lachaman gos mich 1490". Während diese beiden alten Glocken überJahrhunderte der Kirchengemeinde erhalten blieben, mußten andere Glocken im 1. und 2. Weltkrieg abgeliefert werden: Die 1777von Chr. L. Neubert und die 1833 von Heinrich Kurtz gegossenen Glocken wurden
1917 von der Militärverwaltung eingezogen. Die beiden dafür bei Heinrich Kurtz1929 und 1935 hergestellten Glocken mußten 1943 abgeliefert werden.

1955 wurde der Glockenstuhl erneuert und das Geläut wieder auf 4 Glocken ergänztdurch 2 bei Firma H. Kurtz in Stuttgart gegossene Glocken:

3. Ton: es’, Höhe und Durchmesser: 130 cm, Gewicht: 1360 kg. Die Glocke trägt dieInschrift: "A und 0, Jesus Christus, dein Name werde geheiligt",

4. Ton: c", Höhe und Durchmesser: 77 cm, Gewicht: 280 kg. Die Glocke trägt dieInschrift "Komm, heiliger Geist, Herre Gott".

Die Tonfolge des Geläuts ( es’, g’, b’, c") ist nicht zufällig Sie wurde bewußt gewählt,weil mit ihr der Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme" beginnt.

Turmuhr
Die Uhr der alten Kirche wurde 1844 in den Neubau übernommen und 1891 durch eine von Carl Bauer, Ludwigsburg, gefertigte Uhr ersetzt. In den 60erJahren baute Schreinermeister Eugen Bubeck einen automatischen Aufzug für die Gewichte zum Antrieb der Uhr und des Schlagwerks. 1990 wurde bei Fa. Eisenhardt,Stuttgart, eine funkgesteuerte Quarzuhr mit Läutecomputer gekauft.

Geräte und Paramente
Die Kirchengemeinde verfügt über verschiedene alte Geräte, die hier erwäihnt werden sollen, auch wenn sie in der Kirche normalerweise nicht zu sehen sind.

Der Abendmahlskelch aus Kupfer, vergoldet, 20.8 cm hoch, stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, ebenso die dazugehörige Patene (Hostienteller). Sie ist ebenso aus vergoldetem Kupfer und hat einen Durchmesser von 15,5 cm.
Der Krankenkelch, 18,5 cm hoch, besteht aus vergoldetem Silber. Der Becher wurde erneuert, evtl, 1866. Die dazugehörige, gleichartige Patene hat einen Durchmesser von 11,2 cm.
Die Hostiendose aus Silber mit Teilvergoldung wurde 1727 gefertigt. Sie trägt die Inschrift: "A. 1727 M. Friedrich Wilhelm Schmid Spezial Superatt. u. Stattpfarrez z. Weinsperg: Gott zur Ehre stiftet dises vor seine 19 Jahr gewessene Comun zu Rommelshausen".
Das alte Taufgerät benützen wir noch. Es wurde 1839 von Ludwig Pelargus dem Älteren, Stuttgart, aus Zinn gefertigt. Die Schale hat einen Durchmesser von 28,8 cm und eine Höhe von 6,7 cm. Am Rand ist graviert: "Gestiftet von J. Gottlieb Jaeger H. Rommelshausen und Waldburge Woerner 1839". Die dazugehörige Kanne ist ebenfalls aus Zinn und trägt die Gravur: "H. Rommelshausen".
Schließlich haben wir noch 5 Abendmahlskannen aus Zinn, 37 cm hoch, bei Ludwig Pelargus dem Älteren in Stuttgart um 1840 hergestellt. Am Fuß ist graviert: "H. Pf. Rommelshausen".
Die vorhandenen Paramente sind aus neuerer Zeit. Das rote und das schwarze Parament wurden 1954 beschafft, das weiße Parament 1962. Von besonderer künstlerischer Gestaltung sind das grüne und das violette Parament. Beide sind Stiftungen. Sie wurden von Anne Dore Kunz-Saile entworfen und in der Paramentenwerkstatt Stuttgart 1987 hergestellt.

Die restaurierte und erweiterte Orgel

Johann Victor Gruol 1845- Orgelbau Link 1994

Disposition

I. Manual- Hauptwerk Prospekt neu, nach Rastermensur, war Zink nach 1917, jetzt 70% Zinn
1. Principal 8’ Metall, Originalsubstanz, Rückungen zurückgeführt, ergänzt
2. Gamba 8’ Metall, Originalsubstanz, Rückungen zurückgeführt, ergänzt
3. Octav 4’ Metall, Originalsubstanz, Rückungen zurückgeführt, ergänzt
4. Dolce 4’ Metall, Originalsubstanz, Rückungen zurückgeführt, ergänzt
5. Octav 2' Metall, Originalsubstanz
6. Mixtur IV 2’ Metall, rekonstruiert nach Stockbohrungen und Austeilung, war völlig verstellt in geänderter Repetition, Originalsubstanz restauriert, angelängt, ergänzt
7. Querflöte 4’ Holz, Originalbestand, nicht überblasend
8. Gedeckt 8’ Ho1z, Originalbestand, ab c’ doppelt labiiert
9, Flöte 8’ Holz, Originalbestand, offen
10. Salicional 8’ Holz/Metall, Originalbestand, Rückungen zurückgeführt, ergänzt
II. Manual- Nebenwerk C - f “‘ neue mechanische Kegellade
11.Lieblich Principal 8’ neu - 70% Zinn
12.Flauto dolce 8’ neu - Holz
13.Bifara 8’ ab c0 neu-70%Zinn
14.Fugara 4’ neu - 70% Zinn
15.Rohrflöte 4’ neu - 40% Zinn
16,Flautino 2’ neu - 50% Zinn, überblasend
17.Cornettino III 2 2/3’ + 2’ + 13/5’ neu - 50% Zinn
18.Octav 2’ neu 70% Zinn
19.Clarinette 8’ neu - Becher Metall, aufschlagende Zungenblätter -  Kanaltremulant
Pedal C-f' mechanische Schleiflade, teils Gruol-Pedalwerk von 1845, teils neu
20. Violonbass 16’ Holz, C-c’ original. cs’- f’ neu
21. Subbass 16’ Holz, C-c’ original. cs’-f'neu
22. Octavbass 8’ Holz, C-c’ original. cs’- f’ neu
23, Trompetbass 8’ Holz, C-c’ original. cs’- f’ neu
24. Posaune 16’ neu Holz
25. Violon 8’ nen - 70% Zinn
26. Octav4’ neu - 70%Zinn

Plenotritt I. Manual

Plenotritt II. Manual

Koppeln: II/I, I/P, II/P

Zur Geschichte der Orgel
Im Jahr 1717 konnte im Weinbau eine reiche Emte eingebracht werden. Daraufhin legten etliche Bürger Rommelshausens Geld zusammen, um eine Orgel beschaffen zu können. Sie vermachten den Betrag der bürgerlichen Gemeinde, die deshalb die Verantwortung für den Kauf der Orgel übernahm. 1719/20 baute Nikolaus Franziskus Lamprecht aus Vaihingen eine Orgel mit 6 Registern. Man kann annehmen, daß das die erste Orgel Rommelshausens war, da in den Urkunden kein Hinweis zufinden ist, daß durch sie eine alte Orgel ersetzt wurde. 

Als man 1843/44 das Kirchenschiff neu erbaute, wurde auch eine größere Orgel in Auftrag gegeben. Unter Beratung von Musikdirektor J.G. Frech aus Eßlingen legte man die Disposition fest und Orgelbauer Neef, Fellbach, machte einen ersten Kosten-Voranschlag. Da dieser aber noch keine Orgel in der geplanten Größe gebaut hatte, gab man den Auftrag nicht ihm, sondern dem vermeintlich erfahreneren Johann VictorGruol, Bissingen u.T. Der Vertrag vom 9.10.1843 sah den Bau einer einmanualigen Orgel mit 14 Registern vor, 4 davon am Pedal zum Preis von 1550 Gulden. Die Disposition des Manuals ist identisch mit der des Hauptwerks der heutigen Orgel und wurde als mechanische Kegellade gebaut, in einer Windladentechnik, die damals noch ganz neu war, Das Pedal umfaßte 4 Register (siehe Disposition) auf einermechanischen Schleiflade.
Das Werk wurde am 7, Mai 1845 durch J.G. Frech abgenommen und sehr gelobt. Da J.V. Gruol nach eigenen Angaben zusätzlich 2 Register eingebaut hatte, erhielt er dafür 110 Gulden. Allerdings stellte sich später heraus, daß nur die Clarinette 8’ ein zusätzliches Register war, ein anderes Register war nur auf 2 Registerzüge verteilt.

Schon bald zeigten sich an der Orgel erhebliche Mängel. Die Gemeinde führte deshalb einen Prozeß mit dem Ziel, das Werk für einen Betrag von 1353 Gulden an Gruol zurückzugeben. Dieser Prozeß ging verloren. Nach einer erneuten Klage kam es am14.7.1852 zu einem Vergleich, aufgrund dessen Gruol die Manualwindlade nach "neuester Walckerscher Manier", allerdings ohne das Clarinette-Register, neu erstellen mußte. Diese Arbeit wurde am 2. Februar 1853 durch Orgelbaumeister Weigle abgenommen. Da aber Gruol den andern Auflagen des Vergleichs nicht nachkam, wurde 1853 Orgelbaumeister H. Schäfer, Heilbronn, mit den restlichen Arbeiten beauftragt. Am 12. Oktober 1854 wurde die Orgel durch Musikdirektor und Orgelrevident Dr. C. Kocher geprüft und für gut befunden. Moniert wurden nur die Blasbälge, die zu erneuern seien. Dies geschah aber erst 1876 durch Orgelbaumeister Weigle (Eintragung auf der Unterseite eines Pfeifenstocks, entdeckt bei derRestaurierung 1994). Es hat den Anschein, daß die Orgel nun zufriedenstellend funktionierte, so daß größere Reparaturen von einer Reinigung und Durchsicht durch Fa. Link,Giengen, im Zusammenhang mit der Kirchenrenovierung von 1908 - unterbleiben konnten. In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts machten sich zunehmend Verschleißerscheinungen bemerkbar. Zugleich empfand man die Einmanualigkeit der Orgel angesichts der Größe der Kirche und der gestiegenen kirchenmusikalischen Ansprücheals nicht mehr angemessen. So kam es zu dem Beschluß, die Orgel umzubauen und zu erweitern. Dies geschah 1937 durch Fa.Walcker, Ludwigsburg. Die Orgel erhielt eine elektropneumatische Spielanlage mit einem seitlich angeordneten Spieltisch. Die Register des Manuals wurden auf 2 Manuale verteilt: Das erste Manual umfaßte 7 Register, das 2. Manual erhielt aus dem seitherigen Manual die Register Flöte 8’,Salicional 8’, Dolce 4’ und wurde durch die 3 neuen Register Kleinprinzipal 4’, Nazat 2 2/3’ und Zimbel 2fach ergänzt. Zu den 4 Registern im Pedal kam ein Choralbaß 4’ als Transmission des Klein-Prinzipals. Die Kosten betrugen3965,-- RM.
Als die Kirche 1954 innen erneuert und dem damaligen Zeitgeschmack angepaßt wurde, entfernte man die neugotischen Verzierungen des Orgelprospekts, die fast bis zum Schlußstein des Gewölbes aufragten. Vom alten Gehäuse blieben nur der Unterbau und die Pfeiler des Aufbaus zwischen den Pfeifen erhalten, Bei der Innenrenovierung 1985/86 wurden diese Teile in den ursprünglichen Farbtönenvon 1845 gefaßt.
Das Walckersche Werk tat viele Jahre einen guten Dienst. Ende der 70er Jahre wurde aber das elektropneuniatische System immer anfälliger. Da eine Reparatur sehr aufwendig gewesen wäre, erwog man die Anschaffung einer neueno Orgel. Doch erst 1990 waren die finanziellen Voraussetzungen erfüllt, so daß der Kirchengemeinderat aktiv werden konnte. In enger Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt, vor
allem mit Dr. Könner und Landeskonservator Meckes, sowie mit dem zuständigen Orgelpfleger der Landeskirche, K. Enßle, wurde ein neues Konzept entwickelt: • Restaurierung des Manuals der Gruol-Orgel als Hauptwerk im 1. Manual

Am 18.10,1991 konnte die Orgel schließlich bei Fa Link, Giengen, in Auftrag gegeben werden. Mit der Gestaltung des Orgelprospektes wurde, unter Beratung von Bildhauer K. Ringwald, Bildhauer B. Wissler beauftragt. Die farbliche Fassung besorgten die Restauratoren Cabanis undTroschke. 
Am 19 Juni 1994 wurde die restaurierte und erweiterte Orgel in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht,

Das Orgelprojekt aus denkmalpflegerischer Sicht

Mit der nach intensiven Vorüberlegungen in den Jahren 1993/94 durchgeführten Instandsetzung der historischen Orgel findet die Restaurierung der evangelischen Mauritiuskirche in Rommelshausen ihren krönenden Abschluß.

Für den von Baumeister K. Föhr 1843/44 errichteten Neubau der ev. Pfarrkirche, neben den Bauten von Alexander v. Heideloff eines der frühesten Beispiele der Neugotik in Württemberg, wurde bereits von Anfang an eine Orgel geplant Am 16. Februar 1843 legte der Esslinger Orgelrevident Musikdirektor Frech einen Entwurf zu einer neuen Orgel um 1700 M. (bei einem Gesamtkostenaufwand des Kirchenbaus in Höhe von 30537 Gulden) vor. Nachdem der Orgelbauer Gottlieb Neef von Fellbach, der sich zunächst um den Neubau beworben hatte, nach Ansicht des Orgelrevidenten "noch keine Erfahrung im Orgelbau für größere Kirchen habe", wurde der Auftrag nach intensiven Verhandlungen an die Werkstätte Johann Victor Gruol in Bissingen u.Teck vergeben.

Gruol lieferte im darauffolgenden Jahr ein repräsentatives Orgelwerk mit 15 Registern auf einem Manual und Pedal. Während das vier Register umfassende Pedal als herkömmliche Schleiflade konzipiert wurde, erhielt das Manualwerk eine "Springlade, in welcher sich die Ventile beim Druck der Tasten frei schwebend in die Höhe bewegen", eine neue, wenige Jahre zuvor im Orgelbau eingeführte Windladentechnik. 

Den Orgelprospekt gruppierte Gruol auf breitem Sockel als filigran gearbeitete zweiteilige Fassade mit einer Verbindungsbrücke geschickt um das Westfenster der Kirche. Diese raffiniert in die neugotische Architektur des Kirchenraumes hineinkomponierte Lösung diente später (1846) in Münsingen-Rietheim als Vorbild. 

Nach einer ersten Überarbeitung der Manualwindlade durch die Heilbronner Orgelbauwerkstätte Schäfer in den Jahren 1853/54 und den Ersatz der ursprünglichen Keilbalge gegen zwei Kastenbälge durch Carl Gottlob Weigle (1876) erbrachte ein modernisierender und erweiternder Umbau der Otgelbaufirma Walcker/Ludwigsbung im Jahre 1937 größere Veränderungen und Bestandseingriffe. Neben dem Einbau einer elektropneumatischen Traktur wurde das um drei Register erweiterte Klanggut nunmehr auf zwei Manuale verteilt. 1954 schließlich fielen die reich geschnitzten neugotischen Bekrönungen des Prospektes zusammen mit anderen Zierelementen im Kirchenraum dem geänderten Zeitgeschmack nun Opfer.

Mit der seit 1990 intensiv diskutierten Orgelfrage wurde zunächst eine genaue Qualifizierung des vorhandenen Bestands erforderlich. Die Bestandsaufnahme des Walckerschen Opus 2581) erbrachte indessen erstaunliche Ergebnisse: Neben dem Gehäuseaufbau, den historischen Windladen von Manual und Pedal sowie den Kastenbalganlage hat sich der gesamte Pfeifenbestand bis hin zur Pedaltrompete, eine besondere organologische Rarität, erhalten. Als vollständige Verluste innerhalb der historischen Orgelanlage im Gefolge des Umbaus von 1937 waren lediglich die Trakturen und der Spieltisch zu beklagen. Dem in respektablem Umfang vorhandenen Bestand konnte somit als regional bedeutendem und seltenen Dokument aus der Epoche des frühhromantischen Orgelbaus wie auch auf Grund der Zusammengehörigkeit mit Architektur und Ausstattung der Kirche im Sinne eines "Gesamtkunstwerks" besonderer Denkmalwert zuerkannt werden. Denkmalpflegerisches Ziel und Grundanliegen war daher zunächst die Erhaltung dieses wertvollen historischen Bestands. Gleichzeitig sollte das Klangbild der historischen Orgel durch Reorganisation des Klanggutes und Ergänzung der technischen Anlage möglichst unverfälscht wiederhergestellt wenden.

Neben der Instandsetzung des Pfeifenwerks und der Beseitigung der späteren Mensurverschiebungen und dem Wiedereinbau der Wellatur an der Manuallade und historischen Wellrahmen waren die mechanischen Trakturen und der Spieltisch in einer dem historischen Bestand adäquaten Form zu ergänzen.

Mit der Instandsetzung des historischen Bestands erfuhr die Orgel gleichzeitig - aus kirchenmusikalischen Erwägungen heraus - eine Erweiterung, die sich auf ein zweites Manualwerk und drei zusätzliche Pedalregister erstreckte. Quantitativ und qualitativ sollte sich diese Erweiterung, die im Grundsatz bereits in der Vorgängerorgel von 1937 angelegt war und den historischen Bestand völlig unberührt läßt, dem Vorhandenen unterordnen.

Die Behandlung des 1954 seiner ornamentalen Bekrönungen beraubten Prospektes und die Frage seiner Ergänzung erforderten besondere Überlegungen. Auch wenn eine Rekonstruktion der verloren gegangenen Teile im Sinne einer kopierenden Wiederholung des Originals zunächst zur Diskussion stand, konnte - auch in Anbetracht der übrigen Veränderungen im Kirchenraum - schließlich eine Lösung gefunden werden, die als Fortschreibung des geschichtlich gewordenen Bestands und nicht als kopierendes Abbild des in seiner Art "einmaligen" Originals zu begreifen ist. So erfolgte die Ergänzung des Prospektoberteils mit der Ausbildung der Detailgestaltungen bewußt in zeitgenössischer Formensprache, wobei alle künstlerischen Intentionen Gruols und die Strukturen des neugotischen Prospektes vollständig gewahrt bleiben sollten. Auch die Wiederherstellung der ehemals beide Prospektteile verbindenden Brücke war anhand des hier noch vollständig erhaltenen (jedoch gänzlich umgestellten) Prospektpfeifenwerks gewährleistet.

Mit der Instandsetzung der Orgel ist somit ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil des neugotischen Kirchenraumes wieder eindrucksvoll zur Geltung gebracht und die künstlerische Einheit aller den Raum prägenden Kunstgattungen für die Nachwelt erhalten.

Dr. Klaus Könner
(Landesdenkmalamt Stuttgart)


Gottesdienstliche Verwendbarkeit contra historische Authentizität

Einige Gedanken zur Restaurierung der Gruol-Orgel in Rommelshausen

In den Dreißigerjahren unseres Jahrhunderts war die sogenannte "Singbewegung" auch in schwäbischen Kirchenmusikerkreisen tonangebend. Darunter versteht man die begeisterte Entdeckung und Pflege der Musik der Reformationszeit und des Frühbarock. Allenthalben wehte der frische Geist des "Gölz’schen Chorgesangbuchs", statt Friedrich Silcher und Otto Abel sangen die Chöre Johann Walter, Hans Leo Haßler und Caspar Othmayr. Diese Musik, so glaubte man erkannt zu haben, verkörpere "Echte Evangelische Kirchenmusik" - was immer das heißen mag. Ein Blick in die "Württembergischen Blätter für Kirchenmusik" dieser Jahre offenbart, daß dabei das Erbe des 19. Jahrhunderts zunehmend als "dekadent" abqualifiziert wurde, und bis zum heutigen Tag wird die Romantik im "Leitfaden zur Ausbildung in der Evangelischen Kirchenmusik" als Verfallszeit und Epoche des Niedergangs abgehandelt. Diese geistige Haltung hatte auch für unsere Orgellandschaft gravierende Auswirkungen. Nach 1950 werden in fast allen Gemeinden der württembergischen Landeskirche die Instrumente entweder dem Zeitgeschmack entsprechend "verbessert" oder gleich durch einen nicht immer gelungenen Neubau ersetzt. Heute sehen wir mit Wehmut, welchen verheerenden Kahlschlag die Ideologie der Nachkriegszeit an den Orgeln des 19. Jahrhunderts verübt hat. Meisterleistungen der Orgelbaukunst und klangliche Kostbarkeiten gingen unwiederbringlich verloren. Im Rems-Murr-Kreis beispielsweise gibt es nur noch ein Instrument aus dem 19. Jahrhundert, das nahezu unverändert erhalten ist: die kleine Orgel der Dorfkirche in Grab. Heutzutage pflegt und restauriert man nicht nur im Bereich des Orgelbaus die spärlichen Reste der Romantik mit besonderer Aufmerksamkeit und Hingabe, wie wenn mann damit die "Sünden" der Vergangenheit wiedergutmachen könnte...

Die geschilderte Entwicklung hat im Entstehungsprozeß der neuen "alten" Orgel in Rommelshausen ihren besonderen Niederschlag gefunden. Als zuständiger Orgelpfleger hätte ich den kümmerlichen Torso von 1937 am liebsten durch einen kompletten Neubau ersetzt. Das Landesdenkmalamt hingegen erkannte in den "Trümmern" überwiegend Reste erhaltenswerter historischer Substanz und forderte zunächst die Restaurierung der ursprünglichen einmanualigen Orgelanlage. Dies wäre zweifellos von besonderem Reiz gewesen; allerdings wollte man die eingeschränkte gottesdienstliche Verwendbarkeit einer einmanualigen Orgel seitens der Kirchengemeinde nicht so ohne weiteres hinnehmen. Die Erfordernisse des Gottesdienstes und der Orgelliteratur seien ebenso wichtig zu nennen, wie denkmalrechtliche Belange, war der Tenor einer längeren Diskussion über die endgültige Gestaltung des Instruments.
Das Landesdenkmalamt hat sich, vielleicht auch im Hinblick auf eine immer verwirrendere Quellenlage hinsichtlich der "Urgestalt" des Instruments, diesen Argumenten nicht verschlossen. Die Kirchengemeinde wiederum war bereit, die erheblichen Mehrkosten einer restaurierten und gleichzeitig stilgerecht erweiterten Orgel zu finanzieren.

Durch den Zubau eines romantischen Nebenwerks und drei Pedalregister wird das historische Werk zur gut ausgebauten zweimanualigen Orgel ergänzt. Wichtige Formen des liturgischen Orgelspiels (Trio, hervorgehobener Cantus-firmus etc.) werden damit möglich, ebenso entfällt die Beschränkung auf die nur einmanualige Orgelliteratur. Einer vielfältigen und reichhaltigen Gestaltung der Gemeindegottesdienste steht seitens der Orgel nichts im Wege. Freunde und Liebhaber der "Denkmalorgel" können sich an der gelungenen Restaurierung einer schwäbischen Dorfkirchenorgel des 19. Jahrhunderts erfreuen und diese studieren.

Für die Disposition und Bauweise des zweiten Manuals und der Pedalerweiterung war in vorliegendem Fall stets die Vorgabe des historischen Bestands verpflichtend.
So ist eine eindeutig frühromantische Orgelanlage entstanden, deren charakteristisches Klang- und Erscheinungsbild nirgends verwischt wird. Diese geschlossene Konzeption mnag manche Wünsche offen lassen (und welche Orgel würde das nicht?), allerdings hebt sie sich wohltuend von vielen standardisierten Instrumenten ab, deren farbige Disposition (etwa süddeutsch orientiertes Hauptwerk, französisches Schwellwerk, norddeutsch empfundenes Rückpositiv etc.) sich leider allzu häufig als beziehungslose Addition all dessen erweist, was man für die vielbeschworene "gültige Wiedergabe von Orgelmusik aller Epochen" in einer Orgel vorzufinden wünscht. Dieser Wunsch ist für echte Kenner der Orgel schon immer eine unselige Utopie gewesen.

Auf der Rommelshausener Orgel läßt sich vieles zur Freude und Erbauung der Zuhörer musizieren, sei’s von Buxtehude oder Bach, von Mendelssohn oder Mozart, aus dem Choralbuch oder gar ein "Neues Gemeindelied", denn es kommt immer darauf an, was man wie auf dem entsprechenden Instrument einrichtet. Viele Kompositionen der Frühromantik und des süddeutschen Barock werden aber auf dieser Orgel im authentischen, unverwechselbaren Klangbild darstellbar sein. Die feine, differenzierte Abstufung der 8'-Stimmen, sowie der charakteristische, auf Verschmelzung der einzelnen Stimmen angelegte Klang der Kegelladenbauweise dieser Orgel sind ihre ausgeprägten musikalischen Merkmale, die ihr in der Orgellandschaft im Großraum Stuttgart und darüber hinaus eine Sonderstellung zuweisen.

Kurt Enßle, Orgelpfleger der Evang. Landeskirche in Württemberg, Mai 1994


Die restaurierte und erweiterte Orgel aus der Sicht des Orgelbaumeisters


Die restaurierte und erweiterte Orgel in der Evangelischen Kirche Rommelshausen bindet die teilweise stark restaurierungsbedürflig gewesene historische Substanz in ein in breiter und tiefer Diskussion gewachsenes zweimanualiges Gesamtkonzept.
Die Grundidee war, die vorhandenen Teile des Gruol-Manualwerks auf den remechanisierten Kegelladen zum Hauptwerk werden zu lassen; ein zweites Manual in stilistisch passender Disposition und Mensurgestaltung zu den recht eng wirkenden Werten der historischen Pfeifen wurde auf neuen, mechanischen Kegelladen gebaut. Im Pedalwerk wurde die originale Gruol-Windlade mit ihren vier Registern restauriert,Pedalumfangserweiterung bis f’ und -dispositionserweiterung um drei Register wurden räumlich getrennt auf neuen Schleifladen in stilistisch passender Ausführung eingerichtet.

Auch die 1876 von Weigle eingebauten Kastenbälge wurden restauriert und mit einer neuen Tretvorrichtung für die historische Substanz verwendbar gerichtet. Jüngere Teile, u.a. von 1937, wurden nicht in das neue Konzept einbezogen; es zeigt sich jetzt eine schlüssige Anlage, die die historische Substanz nach umfassender Restaurierung zwar von den stilistisch und konstruktiv an die alten Teile angelehnten Gewerke erkennbar absetzt, nun aber eine Orgel aus einem Guß darstellt.

Intensive Beratungen mit Herrn Pfarrer Hepperle, Herrn OSV Enßle und Herrn Dr. Könner vom LDA banden in der Planungsphase iimmer wieder neue Gedanken und Gesichtspunkte ein, so daß die nun fertiggestellte Orgel das Ergebnis langer und sorgfältiger Überlegungen darstellt.

Die Teile der Orgel erfuhren folgende Behandlung:

Orgelgehäuse
wurde restauriert und schreinerisch in Ordnung gebrachit, die für die größere Tiefe des Verkes erfordetlichen Neuteile bestehen aus Massivholz, passend zur Originalsubstanz. Die Orgel besitzt keine Bedachung, wie dies für Instrumente aus jener Zeit
typisch ist. Das neu gestaltete Schnitzwerk wurde vom Bildschnitzer aufgesetzt und das ganze Gehäuse vom Restaurator überfaßt.

Pfeifenwerk
wurde im Bereich der historischen Substanz nach genauer Sichtung und Prüfung der im Laufe der Zeit erfolgten Veränderungen und Umstellungen gereinigt und restauriert, hier war durch den schlechten Erhaltungszustand viel Arbeit erforderlich. Jede
historische Pfeife steht jetzt wieder an ihrem angestammten Platz; durch die vielfältigen Eingriffe und Versetzungen mußten weite Teile des Pfeifenwerkes in der Länge angesetzt werden, da sie abgeschnitten worden waren. Der Grundhierfür lag wohl
auch in den nach den Originalsignaturen rekonstruierten ursprünglichen Mensuren, die extrem eng angelegt sind, hier wollte mandurch Aufdrücken bestimmt weitere Werte erzielen. Fehlende und jüngere Pfeifen mußten bauartgleich zu den Gruol-Pfeifen neu hergestellt werden, eine Besonderheit stellt das erhaltene Zungenregister Trompete 8’ im Pedal dar. Das neue Pfeifenwerk im II. Manual und für die Erweiterung im Pedal entspricht in Mensuren und Bauart den vorhandenen Gruol-Pfeifen.

Spieltisch
mußte, da der elektrische Spieltisch abgängig war, völlig neu gebaut werden. Hier orientierte man sich in Gestaltung, Materialauswahl und Konstruktion an Vorbildern aus der Zeit der Mitte des 19. Jahrhunderts, ohne jedoch einen vorhandenen Spieltisch zu kopieren. Die Situation des freistehenden Spieltisches auf dem Trakturpodest mit Blick zum Altar entspricht jetzt wieder der ursprünglichen Anlage.

Windladen
müssen getrennt betrachtet werden.
Die ursprüngliche Manuallade wurde im erhaltenen Originalbereich restauriert, die elektropneumatischen Zutaten mußten entfernt werden. Die 1937 ins II. Manual versetzten Kanzellen wurden wieder angefügt. Die mechanisch zu steuernden Tonwellen zum Anheben der Kegelventile unter den Registerkanzellen konnten bis ins Detail nach den noch vorhandenen Lagerpunkten im Trakturrahmen restauriert werden.
Die Windlade für das II. Manual wurde neu als mechanische Kegellade in Konstruktion und Materialauswahl entsprechend der restaurierten Hauptwerkswindlade gebaut.
Im Pedal wurde die historische Schleiflade ebenfalls unter Entfernung aller Zutaten von 1937 restauriert und wieder mechanisch abspielbar eingerichtet. Für die Töne c'-f' für die vier Register der Originaldisposition sowie die drei zusätzlichen Register im Pedal wurden neue Schleifladen gebaut, die in Konstruktion und Materialeben falls der Originalsubstanz entsprechen, aber dennoch als neue Teile klar zu erkennen sind.

Die Trakturen
mußten völig neu gebaut werden, da hier durch die Elektropneumatifizierung 1937 keinerlei Substanz und auch keine Anhaltspunkte vorlagen. So wurden zwei Trakturen für Töne und Register gebaut, die ganz aus Holz bestehen und in Konstruktion und Material der Mitte des 19. Jahrhunderts entsprechen.

Die Windversorgung
mußte ebenfalls völlig neu angelegt werden, da auch hier keine Originalsubstanz vorlag. Lediglich die Weigle’schen Kastenbälge wurden einbezogen und mit einer neuen Treteinrichitung versehen. Diese alte Windanlage wirkt allerdings nur auf das I. Manual und die alten Pedalregister, da sie für das gesamte Orgelwerk zu knapp dimensioniert wäre.
Eine elektrische Windanlage versorgt unabhängig davon das gesamte Orgelwerk über neue, strömungsgünstig angelegte Kanäle, ein Kanaltremulant für das neue II. Manual isthier integriert.

Bereits in Zuge der Vormontage in unserer Werkstätte, besonders jedoch im Rahmen des Aufbaus mit der nachfolgenden Intonation und Stimmung im Raum wurden die einzelnen Teile aufeinander abgestimmt, die Trakturen einjustiert. Das Klangbild folgt den originalen Pfeifen und durch ihre Mensuren vorgegebenen Strukturen und präsentiert ein transparentes, schlank klingendes Instrument, das keinesfalls aufdringlich wirkt, durch die vergrößerte Disposition gegenüber 1844 jedoch für den Raum völlig ausreicht.

So wurde das Werk alter Meister wiederbelebt und in ein neues Gesamtkonzept integriert, von dem wir hoffen, daß es lange seinen Dienst zum Lobe Gottes und zur Freude der Spieler und der Gemeinde in Frieden tun kann.

S.D.G.

Ch. Naacke



Die beiden Fenster des Turmchors
Bild links: Das Fenster nach Osten steht unter dem Thema
Auferstehung.
Bild rechts: Das Fenster nach Süden schildert die Ereignisse vom
ersten Pfingsfest.

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