Ergänzte Version: siehe bei Hans-Martin
Kauffmann
Alte Schmidener Familien
Aus dem Buch "Schmiden" von Hans O. Kauffmann
Dank der Tatsache, daß die Schmidener Kirchenbücher seit
ihrer Einführung 1558 mit nur wenigen Lücken bis in die
heutige Zeit erhalten geblieben sind, lassen sich die alten Schmidener Familien
relativ gut ermitteln. Allerdings sind die ältesten Familien, die bei Beginn
der Kirchenbucheinführung 1558 in Schmiden lebten in direkter Linie inzwischen
ausgestorben.
Die häufigsten Schmidener Familiennamen zu dieser Zeit waren Feckelin
(ausgestorben 1636) und Schnell (ausgestorben 1753). Diese beiden Familien waren
schon lange vorher in Schmiden ansässig, so wird schon 1408 ein “Hans
Feckelin” in Schmiden genannt und bereits 1359 begegnet uns “Hartmann der
Sneller” in einer Urkunde. Weitere Familien, die im 16. Jahrhundert zahlreich
in Schmiden vertreten waren, sind beispielsweise die Beerlin (ausgestorben
1711), die Frech (ausgestorben 1727), die Haan (ausgestorben 1674), die Laiplin
(ausgestorben 1876), die Weber (ausgestorben 1676) und die Ziegler (ausgestorben
1752).
Die noch heute ansässigen alteingesessenen Schmidener Familien sind alle seit
Anfang des 17. Jahrhunderts in Schmiden zugezogen. Im folgenden werden nur die
Familien beschrieben, die vor 1800 nach Schmiden kamen und nach dem Zweiten
Weltkrieg noch in Schmiden vertreten waren.
Bluthardt
Die Schmidener Familie Bluthardt stammt von Jakob Bluthardt
(1688-1758) ab, der 1714 Anna Katharina Kienlin in Schmiden heiratete und aus
Scharnhausen stammte. Ein Sohn von ihm, Jakob Bluthardt (1720-1800), heiratete
in Schmiden, so daß der Name bis ins 20. Jahrhundert fortgeführt wurde. Die
meisten Schmidener Bluthardt waren Schneider von Beruf. 1955 gab es nur noch
einen Vertreter dieses Namens in Schmiden: Gottlob Bluthardt in der Buttergasse.
Bürkle
Die Familie Bürkle ist die älteste noch existierende und auch
mit Abstand die zahlreichste Alt-Schmidener Familie. Endriß (Andreas) Bürcklin
(1582-1636), ein Wagner aus Fellbach, heiratete 1608 Anna Weber in Schmiden. Er
war ein Sohn des Hans Bürcklin (gestorben vor 1591) in Fellbach und Enkel des
Jakob Bürcklin (gestorben zwischen 1571 / 1577). Jakob Bürcklin muß kurz vor
der Einführung der Kirchenbücher von auswärts nach Fellbach gekommen sein, da
sich der Name vorher nicht in Fellbach findet.
Endriß Bürcklin hatte zwei Söhne: Hans (1612-1679) und Caspar (1614-1687),
wobei Caspars Linie 1747 ausstarb. Hans war Consul (Bürgermeister) in Schmiden
und ist über seine vier Söhne Johannes (1644-1727), Michael (1648-1731), Georg
(1650-1690) und Philipp (1656-1729) Stammvater der zahlreichen Schmidener
Bürkle-Linien.
Bei der Schmidener Erstvermessung 1824 war jeder dritte Schmidener Haushalt in
Bürkle-Hand. Ursache für die starke Verbreitung des Namens Bürkle sind neben
einer verhältnismäßig geringen Kindersterblichkeit die teilweise sehr hohen
Kinderzahlen von Bürkle-Familien, insbesondere im Schnitzbiegel. So hält
Philipp Friedrich Bürkle (1769-1848) aus dem hinteren Schnitzbiegel mit 29
Kindern von zwei Frauen den Schmidener “Rekord” in dieser Beziehung. Sein
Bruder Joseph (1766-1834) stand ihm mit 23 Kindern nur wenig nach. Ebenfalls 23
Kinder von zwei Frauen hatte Philipp Friedrichs Enkel Georg Peter Bürkle
(1824-1893 siehe Buch auf Seite 204). Em Johann Michael Bürkle (1687- 1770)
erlebte 96 Nachkommen.
Die Familie stellte im 19. und 20. Jahrhundert mehrere Schultheißen in Schmiden
und begründete mit Peter Bürkle (1729-1798) die erst kürzlich abgebrochene
Gastwirtschaft Pflug in Schmiden. Auch 1955 gehörten noch 5 von 12
Gemeinderäten der Familie Bürkle an.
Frick
Der Schmied Johann Friedrich Frick (1680-1731) heiratete 1718 in
Schmiden eine Witwe aus Beinstein. Er kam aus Alpirsbach, wo die Familie schon
im 16. Jahrhundert ansässig war und wo sein Vater Andreas Gerichtsverwandter
und Sägmüller war. Sein Sohn Friedrich (1727-1797) war Weingärtner in
Schmiden, dessen Sohn Friedrich erlernte das Handwerk des Zimmermanns, das über
viele Generationen hinweg bis heute mit diesem Familiennamen in Schmiden
verknüpft ist.
Kauffmann
Begründet wurde die zweitgrößte alte Schmidener Familie von
Hans Melchior Kauffmann (1623-1682) aus Cannstatt, der 1647 die einzige Tochter
des Schmidener Schultheißen Peter Haan heiratete. Hans Melchior war seit seinem
11. Lebensjahr Vollwaise und kam vermutlich durch seine Schwester Margarethe
(1612-1646) nach Schmiden, die hier 1641 in zweiter Ehe Hans Schnaitmann
heiratete. Zunachst war er Bäcker in Schmiden, wurde nach dem Tod seines
Schwiegervaters Schultheiß und wohnte dann im Großen Haus. Sein Enkel, der
Schultheiß Peter Kauffmann (1674-1753) trug maßgeblich zur weiten Verbreitung
dieses Familiennamens in Schmiden bei, da von seinen 9 Kindern kein einziges
früh starb und er bei seinem Tod 109 Nachkommen erlebt hatte. Ober seine Söhne
Philipp (1700-1769) und Peter (1708-1778) ist er der Stammvater alter Schmidener
Kauffmänner. Nach ihm blieb das Schultheißenamt bis 1809 in den Händen der
Familie. Der letzte Kauffmann - Schultheiß Jakob Kauffmann (1746-1809), trug
mit 24 Kindern von drei Frauen ebenfalls stark zum Erhalt des Namens bei. Sein
Sohn Johann Jakob (1771-1816) begründete die Gastwirtschaft Lamm (heute
Metzgerei Kauffmann). Auch die Gastwirtschaft ”Grüner Baum” wurde von einem
Kauffmann, nämlich Gustav Adolf Kauffmann (1844-1938), begründet.
Hans Melehior Kauffmanns Urgroßvater war der Cannstatter Bürgermeister Simon
Rieger (+ 1568), dessen Schwester Magdalena (+ 1580) den Gärtringer Pfarrer
Wilhelm Gmelin heiratete. Über diese Ehe bestehen Verwandschaftsbeziehungen zu
beispielsweise der derzeitigen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, dem
Schriftsteller Wilhelm Hauff, oder dem Physiker und Nobelpreisträger Max
Planck.
Knittel
Die Familie Knittel stammt ursprünglich aus Schwaikheim. 1642
heiratete Ursula, die Witwe Hans Knittels aus Schwaikheim, den Schmidener Consul
(Bürgermeister) Jakob Pfisterer (1616-1693). Mit ihr kam ihr Sohn Hans Knittel
(1635-1712) nach Schmiden, der 1662 Margarete Frech heiratete, 1676 als
Heiligenpfleger genannt wird und der Stammvater der Schmidener Knittel ist.
Aufgrund der hohen Kindersterblichkeit wäre die Familie Anfang des 19.
Jahrhunderts fast ausgestorben. Bei der "Erstvermessung” Schmidens 1824
wurde nur noch ein Knittel, der Weber Philipp Adam (1771-1845) aufgeführt, der
in einem Haus in der heutigen Achalmstrasse lebte. Doch über seine Söhne
sicherte er den Fortbestand dieses Namens in Schmiden bis heute.
Lausterer
Um 1657 kam Hans Lauster(er) (1615-1683) mit seiner Familie von
Cannstatt nach Schmiden, wo er Bauer und Gerichtsverwandter war. Er stammt von
der sehr wohlhabenden Schultheißen-Familie Lauster in Münster ab. Sein Vater
Philipp Lauster (1576-1654) war 46 Jahre lang Schultheiß in Münster und besaß
1635 das stattliche Vermögen von 8505 Gulden. Zwischen 1575 und 1739 stellte
die Familie Lauster(er) nicht weniger als 6 Schultheißen in Münster.
Über seinen Sohn Julius Friedrich (165 1-1722) ist Hans Lausterer der
Stammvater der Schmidener Lausterer. Auch zwei Schmidener Schultheissen
entstammen im 19. Jahrhundert dieser Familie. Im 20. Jahrhundert wäre die
Familie in Schmiden fast erloschen, lediglich Hermann Lausterer führte mit
seinen Söhnen den Familiennamen in Schmiden nach dem Zweiten Weltkrieg fort.
Pfisterer
Bin Jakob Pfister (1576-1630) kam um 1612 von Fellbach nach
Schmiden. Seine Frau Anna (1581-1636) kam aus dem alten Fellbacher Geschlecht
Aldinger. Über die Aldinger besteht ein Verwandschaftsverhältnis mit dem
ehemaligen NATO-Generalsekretär Manfred Wörner, dessen Mutter eine geborene
Aldinger war
Die Familie Pfister war vorher schon mehrere Generationen lang in Fellbach
ansässig. Sowohl Jakobs Vater (1543-1613), als auch sein Großvater hießen
Jakob. Als Beinamen erhielten diese ältesten Pfisterer sowohl in Schmiden als
auch in Fellbach, wo die direkte Linie inzwischen erloschen ist, die Bezeichnung
"Preiß". Interessanterweise ist heute noch in Schmiden der Hausname
"Preußle" in Gebrauch. Der Ursprung dieses Beinamens ist jedoch
unbekannt, vielleicht waren Mitglieder der Familie einst fur längere Zeit in
Preußen oder stammen sogar von dort.
Jakob Pfisterer (1616-1693), ein Sohn des zugezogenen Jakob Pfisters war Consul
(Bürgermeister) in Schmiden. Er wohnte im heutigen Hinteren Schnitzbiegel, der
damals Pfisterischer Hof genannt wurde. Über seine Söhne Georg (1643-1703),
David (1648-1724), Michael (1652-1727) und Joseph (1655-1730) wurde der Name
Pfisterer in Schmiden bis heute fortgeführt.
Raiser
Die Familie Raiser ist nach den Bürkle und den Pfisterer die
drittälteste in Schmiden ansässige Familie. 1614 heiratete der Schneider Simon
Raiser (1590-1648) aus Rommelshausen zunächst Barbara Aymann (1596-1626) und
dann 1627 Margarete Weber (1602-1657) in Schmiden. Fast wäre der Familienname
in Schmiden gleich wieder erloschen, denn die ersten 10 Kinder Simon Raisers
starben bereits im Kindesalter. Das elfte und letzte Kind jedoch, Johannes
Raiser (1642-1708), überlebte den 30-jährigen Krieg und führte den Namen in
Schmiden weiter. Er wird als Bürgermeister und Gerichtsverwandter in Schmiden
genannt. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Name Raiser durch seine Nachkommen
Hans Jerg Raiser (1672-1739), Johannes Raiser (1708-1764) und Johann Michael
Raiser (1736-1791) weitergegeben. Da bis zum 19. Jahrhundert meist nur ein
männlicher Nachkomme pro Generation existierte, breiteten sich die Raiser trotz
ihrer frühen “Einwanderung” in erheblich geringerem Umfang in Schmiden aus
als die Bürkle, Kauffmann oder Pfisterer.
Rappold
Leider gibt es in den Kirchenbüchern keinen Hinweis auf den
Herkunftsort der Familie Rappold. Der erste Rappold in Schmiden war der
Zimmermann Johann Michael (1739-1803), der erstmals 1764 in Schmiden genannt
wird. Seine Frau Regina Barbara Sircher (1743-1804) war zwar in Schmiden
geboren, die Hochzeit muß jedoch auswärts stattgefunden haben. Auch in den
folgenden Rappold-Generationen sind häufig Handwerker wie Zimmermänner oder
Maurer zu finden.
Rommel
Der Familienname Rommel wurde von drei Brüdern in Schmiden
eingeführt, die nacheinander von Münster nach Schmiden kamen. Ihr Vater war
der Münstersche Klostermaier Hans Rommel (1606-1678), der ursprünglich aus
Oberalfingen bei Aalen stammte. Zunächst heiratete 1670 Conrad Rommel
(1640-1709) in Schmiden und wurde Maier auf dem Tennhof. Ihm folgte 1682 sein
Bruder Hans Kaspar (1662-1701), der eine Tochter von Hans Lausterer ehelichte.
Schließlich heiratete 1685 Hans Melchior Rommel (1659-1719) in Schmiden
Margaretha Weber, er wurde später als Bürgermeister genannt. Mehrere
Abkömmlinge dieser Brüder waren Maier auf dem Tennhof, oder stellten
Bürgermeister in Schmiden.
Ein Abkömmling von Hans Kaspar Rommel, Johann David Rommel (1783-1845), der von
Beruf Weber war und 1824 im Kälbleshof wohnte, ist ein direkter Vorfahre des
Generalfeldmarschalls Erwin Rommel (1891-1944): Johann Davids Sohn Johann David
junior (1820-1877) war Lehrer in Reutlingen, dessen Sohn Johannes Erwin
(1854-1913) war Rektor in Aalen und der Vater des Generalfeldmarschalls.
Schnirring / Schnerring
Der Stammvater dieser Schmidener Familie war Johann Matthäus
Schnirring (1638-1722) aus Willstätt bei Kehl, der 1663 in Schmiden Waidburga
Glock heiratete. Er war zunächst Heiligenpfleger, dann Bürgermeister und
schließlich 38 Jahre lang Schultheiß in Schmiden. 1824 lebten noch zwei
Schnirring-Familien in Schmiden, der Schneider Michael Schnirring in einem Haus
an der Stelle des Aronda-Baus, und ein Jakob Schnirring im heutigen Staffelweg.
1955 lebte lediglich noch der Gipsermeister Robert Schnerring in Schmiden.
Schüle
Johann Adam Schüle (1710-1781), Sohn von Matthäus Schüle,
einem Bäcker und Gerichtsverwandten in Magstadt, heiratete 1739 in Schmiden
Maria Agnes Pfisterer. Wie die Schnirrings, haben sich auch die Schüles in
Schmiden verhältnismäßig wenig verbreitet. 1824 gab es drei Schüle-Haushalte
in Schmiden, 1955 findet man noch zwei Familien mit dem Namen Schüle im
Schmidener Adressbuch.
Seybold
Die Schmidener Seybold stammen von der alteingesessenen
Fellbacher Familie gleichen Namens ab. Johannes Seybold (1702-1776) aus Fellbach
heiratete 1732 Anna Rosina Pfisterer in Schmiden. Sein Sohn Johann Georg Seybold
(1739-1798) sorgte mit vier Söhnen für den Fortbestand der Familie in
Schmiden.
Sixt
Aus Hegnach stammt die Schmidener Familie Sixt. Zunächst
heirateten zwei Söhne des dortigen Schulmeisters Jeremias Sixt in Schmiden:
1740 Jeremias Sixt (1715-1763) und 1746 Daniel Sixt, wobei letzterer keine
Söhne in Schmiden hatte. 1747 heiratete schließlich Christoph Sixt in
Schmiden, der Sohn eines Jakob Sixt in Hegnach war. Er war höchstwahrscheinlich
ein naher Verwandter von Jeremias und Daniel und ist zusammen mit Jeremias der
Stammvater der Schmidener Sixt. In Hegnach sind die Sixt seit dem Ende des
Dreißigjährigen Krieges ansässig. Um 1653 kam Hans Sixt, ein ehemaliger
Soldat, als erster Sixt nach Hegnach. Über viele Jahre stellen die Sixt die
Hegnacher Lehrer. Ursprünglich stammt die Familie aus Kürrweiler (Kirrwiller)
im Elsaß.
Zaiser
Die Familie Zaiser stammt von dem Weber Lorenz Zaiser aus
Untersielmingen ab, der 1783 in Schmiden Anna Elisabetha Groß heiratete. Sein
Sohn Balthasar (1784-1853) war ebenfalls Weber, und wohnte 1824 in einem Haus in
der heutigen Remstalstrasse. Dessen Nachkommen führten den Namen in Schmiden
bis heute fort.
back to homepage