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Samstag, 2 August 1942

Das Geschlecht Baumann aus Zwingelhausen und Burgstall

Von Kurt Erh. v. Marchtaler, Stuttgart


Es ist nicht die Art des Bauern, Aufhebens von sich zu machen, aber es gibt doch Dinge, die er im Gespräch gerne aufklingen läßt, weil er stolz darauf ist. Dazu gehört auch die Zeit der Seßhaftigkeit seines Geschlechts auf demselben Hofe, am gleichen Ort oder in derselben Landschaft.

In der Reihe der ursprünglich nicht in Württemberg beheimateten, aber nun seit weit über dreihundert Jahren hierzulande ansässigen bäuerlichen Geschlechter gehören die Baumann aus Mittelschöntal bei Backnang, die sich von dort aus über die nähere Umgebung verbreiteten. Der Stammvater des Geschlechts ist ein Jörg Baumann in dem mittelfränkischen Dorfe Munningen, der bereits tot war als sein Sohn Hans sich anno 1606 anläßlich seiner Heirat in der benachbarten gräfischen Residenzstadt Dettingen bürgerlich niederließ. Dort kam sein Sohn Gottfried (1615 - 1690) zur Welt, der unter dem Familiennamen Baumann als Forstknecht in herzoglich württembergische Dienste trat und der erste Träger des Namens aus diesem Geschlecht im Lande wurde.
Im Jahre 1644 heiratete er zu Erbstetten die in Mittelschöntal wohnhafte Maria, Witwe des Hans Heller in Lutzenberg. Im selben Jahre noch gebar sie ihrem Manne einen Sohn der auf den Namen Nikolaus getauft wurde. Nicht ganz ein Jahr nach dem Tod der innerhalb von vier Wochen verstorbenen Eltern heiratete Nikolaus 1691 zu Erbstetten Anna Maria, eine Tochter des Johannes Grauff zu Weiler im Weinsberger Tale, die drei Söhne zur Welt brachte, durch die sich das Geschlecht erstmals verzweigt hat. Erst zwölf Jahre zählte der jüngste dieser Söhne, als Nikolaus in den Adventstagen des Jahres 1704 das Zeitliche segnete, nachdem er etliche Jahre siech und schließlich auch infolge eines Schlaganfalls der Sprache beraubt gewesen war. Frau Anna Maria, die nach dem Eintrag im Totenbuch „das Praedicat einer frommen Christl. Matron gehabt“ hatte, überlebte den Ehegatten noch bis in die Märztage des Jahres 1726.
Der älteste, 1691 geborene Sohn Johann Gottfried Baumann verheiratete sich nach Unterschöntal. Als Weber hat er 1723 in Erbstetten Anna Catharina, die Tochter des Heinrich Pfizenmaier aus Mittelschöntal geheiratet. Sein jüngerer Bruder Georg Bernhard Baumann (1694-1760) blieb in Mittelschöntal, wo ihm in den Jahren 1725 bis 1742 sieben Söhne geboren wurden, von denen fünf als Kinder wieder gestorben sind. Der älteste Sohn Hans Jörg heiratete 1758 in Unterweissach Rosina, die Tochter des Martin Freytag in Cottenweiler. Der 1734 geborene Sohn Gottfried wurde Leineweber. Im Jahre 1761 heiratete er zu Erbstetten Anna Barbara, die Witwe des Bauers Johannes Schwarzbeck in Sinzenburg. Die Mutter hat noch die Heiraten beider Söhne und die Geburten von Enkelkindern erleben dürfen, ehe sie im August 1763 aus der Welt schied.

Von Nikolaus Baumanns jüngstem Sohne Johannes Georg stammt die

Linie Zwingelhausen

des Geschlechts ab. Dorthin kam er durch seine 1729 im Kirchberg a.d.Murr vollzogene erste Heirat mit Maria Catharina, Tochter des damals schon verstorbenen Bauern Daniel Bans in Zwingelhausen, die ihm zwei Töchter und dazwischen einen nach dem Vater benannten Sohn gebar, ehe sie im Januar 1735 der „hitzigen Krankheit“ erlag. Ein Vierteljahr später hielt Johann Georg seinen zweiten Kirchgang mit Anna Maria Pfizenmayer vom Renthof, mit der er dann noch elf Kinder gezeugt hat. In Zwingelhausen setzte den Stamm der Sohn Andreas (1745-1822) fort, der 1767 seine Altergenossin Maria Pfizenmayer zum Altar führte. Außer einer seit dem Jahre 1800 an Johann Gottfried Wagenblaß in Zwingelhausen verheirateten Tochter Eva Catharina sind nur noch 2 ältere Brüder von ihr zur Heirat gelangt., die übrigen vier Geschwister starben jung. Von jenen Brüdern wurde Johann Ludwig der Gründer der Linie Burgstall, von der nachher noch die Rede sein wird. Der jüngere Bruder Jakob (1774-1847) blieb in Zwingelhausen, wo er 1802 seinen Hausstand mit Eva Catharina Munz vom Röhrachhof begründete. Ihre älteste Tochter Christina Magdalena (1803-1874) heiratete 1828 Johann Christoph Hahn in Kirchberg, die Tochter Anna Catharina schloß 1834 die Ehe mit Georg Michael Göz (1802-1873) in Zwingelhausen, Caroline Luise (geb. 1824) soll nach Oberbrüden, Christiane Friederike (geb. 1820) soll nach Backnang geheiratet haben, Ebendaselbst starb auch ihr Bruder Carl (1814-1867), der Metzger geworden war. Von den drei anderen Brüdern stammen die Angehörigen des ältesten, des mittleren und des jüngeren Asts dieser Linie ab.
Letzteren begründete Jakobs jüngster Sohn Johann Ludwig (1817-1890), dessen gleichnamiger Sohn im Jahre 1919 unverheiratet daselbst starb, während sich die beiden anderen Söhne Christian Gottlob und Karl Friedrich, die beide eine geborene Layher zur Frau nahmen, in Kirchberg ansäßig machten, so daß der jüngste Zwingelhauser Ast am Platz erloschen ist.
Den mittleren Ast hat Johann Michael (1811-1865) begründet, als er 1838 Anna Wildermuth von Völkleshofen als Frau heimführte. Nur die beiden jüngsten Söhne aus der Schar der sieben Kinder gelangten zur Heirat: Johann Jakob heiratete 1878 in Oppenweiler Caroline Christiane Haas aus Strümpfelbach, sein Bruder Johann Gottlieb ein Jahr danach Rosina Catharina Scholl und machte sich in Gagernberg seßhaft.
Den ältesten Zwingelhauser Ast begründete Jakobs gleichnamiger Sohn (1805-1876). Mit seiner von dort gebürtigen Frau Anna Magdalena geb. Ade hatte er zehn Kinder, von denen nur eines jung starb. Der älteste Sohn Georg Jakob (geb. 1828) zog nach Oppenweiler, der nächstjüngere Sohn Carl Gottfried (1830-1908), seit 1864 mit Luise Gramm aus Erbstetten verheiratet, ließ sich zunächst in der Heimat seiner Frau nieder, dann zog er nach Zwingelhausen zurück, wo auch sein jüngster Bruder Christian Ludwig (1833-1912) seit 1865 im Ehestand lebte.

Es bleibt jetzt nur noch übrig, die

Linie Burgstall

zu besprechen, die ausgeht von Johann Ludwig (1771-1820), der, wie erwähnt, ein Enkel des aus Mittelschöntal nach Zwingelhausen zugewanderten Johann Georg Baumann war. Nach Burgstall kam Johann Ludwig durch seine im Jahre 1703 vollzogene Heirat mit Magdalena Dorn von dort. Im Verlauf von zwanzig Jahren schenkte sie ihrem Manne neun Kinder, unter denen sich nur ein Sohn befand. Sieben Töchter starben im Kindesalter oder unverheiratet; die älteste Tochter Ragina Magdalena wurde 1818 die Frau des Bäckers Johann Gottlieb Gall und als seine Witwe 1824 die Frau des aus Hertmannsweiler gebürtigen Bauers Johann Georg Hill. Auch ihr Bruder Georg Michael (1799-1861), von Beruf Metzger, war zweimal verheiratet. In Weiler zum Stein hatte er 1826 Catharina Weiler vom Heidenhof zur Frau genommen. Drei Jahre, nachdem sie ihm 1847 durch den Tod entrissen worden war, heiratete er in anderer Ehe Johanna Catharina, die Tochter des vom Stift Oberstenfeld als Schaffner in Mundelsheim bestellten Carl Justus Kämpf. Ein paar Jahre nach dem Tode ihres Mannes zog sie mit ihren beiden Söhnen und ihrer Tochter nach Stuttgart. Zehn der zwölf erstehelichen Kinder des Metzgers und zeitweiligen Gemeinderats Georg Michael Baumann waren Söhne. Vier davon sind im Kindesalter gestorben, zwei sind später nach den vereinigten Staaten von Nordamerika, einer ist nach Australien ausgewandert. Von den beiden Töchtern starb die ältere als Kind, die jüngere Luise Friederike hat sich 1879 mit Adolf Friedrich Fischer in Burgstall verheiratet. Am Ort ist der Name fortgepflanzt worden von den Söhnen Georg Ludwig (1827-1899), der zwei Töchter und den 1885 geborenen Sohn Carl Friedrich hatte, sowie von seinem Bruder Johann (1832-1902). Von seinen sechs Kindern blieb auch nur ein Sohn als verheirateter Namensträger in Burgstall wohnen.

Von den elf Generationen, welche das Geschlecht Baumann von dem erwähnten ersten bekannten Auftreten des Stammvaters Jörg Baumann in Munningen, bis in seine jüngsten Verzweigungen hinein zählt, können die Angehörigen von neun Generationen als Württemberger bezeichnet werden. In diesem, seit über dreihundert Jahren zur Heimat des Geschlechts gewordenen Lande haben die Baumann manche schlimmen, aber auch viele gute Zeiten erlebt. Wie sich die Männer ihre Frauen aus denselben bäuerlichen Kreisen der engeren Heimat holten, so haben sich auch die Baumann’schen Töchter bei der Gattenwahl entschieden, was zur Folge hat, daß sich ein beruflich wie der Heimat nach in allen Zweigen ziemlich gleiches Gesamtbild des Geschlechts ergibt.

Created: 04.05.1997 Updated: 08.06.1997