An
article of the Fellbacher Zeitung in October 1998
Ein Artikel
aus der Fellbacher Zeitung vom Oktober 1998
Ein Artikel aus der Schwäbischen
Heimat 3/1998
Schwäbische Heimat 1998/3
| Dorothee Breucker/ Sabine Mücke |
Schwabenkinder-jugendliche Saisonarbeiter aus den Alpen in Oberschwaben |
Seit dem 17. Jahrhundert zogen alljährlich im Frühling Kinder armer Bergbauernfamilien zur Arbeit nach Oberschwaben. Das Ziel der sechs- bis fünfzehnjährigen Buben und Mädchen aus Vorarlberg, Tirol und Graubünden war der sogenannte Hütekindermarkt in Ravensburg. Dort wurden die jugendlichen Saisonarbeiter an oberschwäbische Bauern vermittelt. Auf Höfen im Allgäu und in Oberschwaben hüteten sie den Sommer über das Vieh, die Buben halfen im Stall und bei der Ernte, die Mädchen arbeiteten im Haushalt mit, versorgten das Kleinvieh oder beaufsichtigten die kleineren Kinder ihrer Dienstgeber. Im Herbst kehrten die Schwabenkinder, wie sie bis heute in ihrer Heimat bezeichnet werden, mit neuer Kleidung und etwas Bargeld in ihre Heimat zurück. Auf diese Weise trugen sie bis in die 30er Jahre unseres Jahrhunderts zum Lebensunterhalt ihrer Eltern und Geschwister bei. Die Ravensburger Ausstellung "Schwabenkinder - Vorarlberger, Tiroler und Graubündner Kinder als Arbeitskräfte in Oberschwaben" dokumentiert den harten Lebensalltag dieser Kinder. Zu sehen ist sie bis zum 28. Oktober [1998] im Erdgeschoß des Städtischen Museums im Vogthaus, einem mittelalterlichen Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert.
Die Wanderung der Schwabenkinder aus den Alpen und ihre Vermittlung auf öffentlichen Märkten in Anlehnung an traditionelle Formen der Gesindeverdingung war über ein Jahrhundert ein fester Bestandteil der spezifischen Agrarstruktur in Oberschwaben. Ravensburg als Oberamtstadt, Marktort und Zentrum einer bis heute agrarisch geprägten Region kam in der Geschichte der Schwabengängerei mit dem dort abgehaltenen "Hütekindermarkt" vor dem ehemaligen Gasthof Krone in der
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«Der Sklavenmarkt in Ravensburg». Lithographie
von Joseph Bayer aus dem Jahr 1849. Diese Lithographie ist die früheste bildliche Darstellung des Ravensburger Kindergesindemarktes. Bayer stellt die Kinder nicht verhärmt oder bemitleidenswert dar, seine prinzipielle Haltung zur Schwabengängerei drückt sich vielmehr im Titel «Sklavenmarkt» aus. |
Bachstraße eine zentrale Funktion zu. Bereits um die Jahrhundertwende als Menschenhandel oder Sklavenmarkt im Kreuzfeuer der Kritik, bewegt die Geschichte der Schwabengängerei mit ihren vielfältigen Bezügen zur Gegenwart uns noch heute. Um so erstaunlicher ist es, daß die oberschwäbische Regionalhistorie dieses sozialhistorische Phänomen bislang eher stiefmütterlich behandelt hat. Es ist vielmehr das Verdienst des ehemaligen Leiters des Stuttgarter Arbeitsamtes, Otto Uhlig, daß die Ravensburger Ausstellung auf ein umfangreiches, auch wissenschaftlichen Maßstäben genügendes Standardwerk zum Thema aufbauen kann. Seine Publikation über Die Schwabenkinder aus Vorarlberg und Tirol von 1978, die derzeit zum zweiten Mal eine überarbeitete Neuauflage erfährt, ist von der Historiographie bis heute nur in Einzelaspekten ergänzt und durch Untersuchungen über die Schwabengängerei aus Graubünden (Linus Bühler) und das bayerische Allgäu (Siegfried Laferton) erweitert worden.
Für große Popularität des Themas unter historisch Interessierten, Jugendlichen und Erwachsenen in gleichem Maße, sorgte 1989 das Jugendbuch von Othmar Franz Lang mit dem Titel Hungerweg sowie der fast sensationelle autobiographische Fund der Jugenderinnerungen der Regina Lampert, veröffentlicht 1996 unter dem Titel Die Schwabengängerin - Erinnerungen einer jungen Magd aus Vorarlberg.
An eine Sonderausstellung zu diesem Thema hat sich indes
noch niemand gewagt. Und es ist in der Tat auch kein leichtes Unterfangen, denn
die Schwabenkinder als besitzlose Schicht haben nur wenig Sachzeugnisse und
Gegenständliches hinterlassen. Möglich wurde die Ausstellung durch die
Unterstützung und das Entgegenkommen von Archiven, Museen und zahlreichen
Privatpersonen in Vorarlberg und Tirol sowie der regionalen Freilichtmuseen in
Wolfegg und Illerbeuren. Der Süddeutsche Rundfunk und das Schweizer Radio DRS
konnten darüber hinaus Interviews mit ehemaligen Schwabenkindern zur Verfügung
stellen.
Kinder ohne Kindheit - Unterwegs im Kampf gegen Hunger, Schnee, Kälte und
Heimweh
Ein besonderes Anliegen der Ausstellung ist es, die Geschichte der Schwabengängerei im historischen Zusammenhang von Kindheit im ländlichen Raum während des 19. Jahrhunderts aufzuzeigen und zudem Kindern und Jugendlichen heute einen Vergleich mit der eigenen Lebenssituation zu ermöglichen. Im Eingangsbereich der Ausstellung deuten Portraits Ravensburger Schulkinder im Alter von elf bis dreizehn Jahren den revolutionären Wandel in der Geschichte der Kindheit in unserem Jahrhundert an. Blick und Kleidung der heutigen Schülerinnen und Schüler verweisen auf eine eigene, ausgeprägte Kinder- und Jugendkultur mit spezifischen Kleidungs- und Lebensstilen. Und wer genau hinsieht, wird unter den zumeist fröhlichen Gesichtern auch einige wenige Portraits ernst blickender Schwabenkinder entdecken. In ihren steifen Sonntagsanzügen, mit hochgeknöpften Blusen, Schärpe und Hut wirken sie wie junge Erwachsene. Der Vergleich zeigt: Anders als heute bedeutete Kindheit bis weit ins 20. Jahrhundert nicht in erster Linie Schulbesuch und Freizeit, sondern ein frühes Hineinwachsen in die Arbeits- und Lebenswelt der Erwachsenen.
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Zwei Schwabenkinder (zweiter und vierter von links) aus Graubünden 1907 in Arnach, heute Landkreis Ravensburg. Mit auf dem Foto sind der Knecht und die beiden Mägde des Hofes sowie die Kinder der Bauersleute. |
Der Tag des Abschieds von daheim im Februar oder März und der Antritt eines
langen Weges in die Fremde war die erste harte Erfahrung, die den
Schwabenkindern alljährlich bevorstand. Viele hatten auf der Wanderung nicht
nur mit Hunger und Kälte, sondern auch mit Heimweh zu kämpfen. Das Wissen, der
Not daheim zu entkommen, die Familie zu unterstützen, sowie die Hoffnung auf
gutes Essen und neue Kleidung halfen vielleicht ein wenig darüber hinweg. Die
Kinder legten vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Fußmärsche
von bis zu 200 km zurück. Hungrig und mit schlechtem Schuhwerk ausgestattet,
trugen sie auf dem Rücken in umfunktionierten Kartoffelsäcken ihre geringe
Habe. Vielfach mußte selbst der Reiseproviant erbettelt werden. Unterwegs
schliefen die Kinder auf Bauernhöfen, in Wirtshäusern oder sie wurden von
Klöstern aufgenommen.
Die Wege aus Vorarlberg, aus dem Bregenzerwald, dem Klostertal, aus dem Walgau und dem Montafon waren die kürzesten und einfachsten. Die Kinder orientierten sich an den Flußläufen, die hinunter ins Rheintal und weiter zum Bodensee führten. Einen extrem langen Weg (150 bis 200 km) von bis zu zwei Wochen Dauer hatten die Kinder aus Graubünden, die ebenfalls größtenteils entlang des Rheins liefen. Aus Tirol gab es zwei Hauptrouten. Eine führte über den Fernpaß und Reutte nach Füssen und weiter nach Kempten ins bayerische Allgäu. Die andere Hauptroute führte über den Arlberg an den Bodensee. Kinder, die aus dem Südtiroler Vinschgau kamen, mußten zusätzlich den 1508 Meter hohen Reschenpaß überwinden. Eine wesentliche Erleichterung für die Kinder bedeutete 1884 die Fertigstellung der Arlbergbahnen sowie seit 1891 die Betreuung der jungen saisonalen Arbeitsmigranten durch den sogenannten Tiroler Hütekinderverein.
Der Arlberg war bis dahin der schwierigste und gefährlichste Alpenpaß - schneebedeckt im Frühjahr, oft auch schon bei der Heimreise Ende Oktober. Einen Eindruck von den Strapazen und Gefahren des Arlbergs vermittelt die Schilderung von Franz Kurz (1846-1901), ehemaliges Schwabenkind und später Schulleiter in Pettneu im Stanzertal. "Auf dem Heimweg geriet er im Herbst 1858 in ein heftiges Schneegestöber: Bei eisigem Nordwinde und heftigem Schneewehen ging es Stuben zu. Der Schnee wurde stets tiefer und kaum vermochte ich meiner Führerin zu folgen. Da riß mir der Wind mein Hütlein vom Kopfe und trieb es über die Felder dem Flusse zu. Schnell sprang ich hinunter, holte meinen Hut und kletterte dann, mit den Händen im Schnee wühlend, die Böschung zur Landstraße hinauf, wo ich meinen Knotenstock mit dem Päcklein wiederfand und über die Schulter schwang. Vergeblich blickte ich mich nach meiner Begleiterin um. (...) Weinend und mit dem Sturm ringend, setzte ich den Weg nach Stuben fort. Wiederholt wurde ich vom Sturme, der immer zunahm, in den Schnee geworfen. Mich fror entsetzlich, besonders an der rechten Hand, die den Stock hielt. Ich wechselte und wollte sie in den Hosensack stecken, allein es ging nicht, Finger und Hand waren starr gefroren. Ich wurde schläfrig, meine Kräfte schwanden, als ich oberhalb der Straße eine Kapelle erblickte, in der ich Schutz und Wärme suchen wollte. Ich stieg den Rain hinan, sank aber erschöpft in den Schnee und der Todesschlummer umfing mich. Männerstimmen schlugen an mein Ohr, ich erwachte durch unsanftes Ziehen, Schütteln und Zerren an Händen und Füßen. Von Bregenz kommende Soldaten waren meine Lebensretter geworden.
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August Begle, Schwabenkind aus Vorarlberg von 1932
bis 1935. Vorarlberger Kinder kamen noch bis 1938 zum Viehhüten nach
Oberschwaben. Die Schwabengängerei aus Tirol endete offiziell 1914. |
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Hütekinder vor dem Gasthof Rad in
Friedrichshafen.
Die Abreise der Tiroler Hütekinder erfolgte am 28. Oktober. Die Dienstherren wurden von den Behörden angewiesen, die Kinder nicht zu früh nach Ravensburg zu bringen. Auf diese Weise sollte das Herumlungern der Kinder in der Stadt, Zigarren rauchen und übermäßiger Alkoholgenuß sowie «Liebeleien» zwischen Mädchen und Buben verhindert werden. |
Kindergesindemarkt: Menschenhandel- Sklavenmarkt? Rundgang durch die
Ausstellung
Im Zentrum der Ausstellung stehen die Besucherinnen und Besucher vor einem
großformatigen Foto: Die bekannte Illustration von E. Klein, erstmals 1895 in
der bürgerlichen Familienzeitschrift Gartenlaube erschienen, zeigt das Vermieten
der Tiroler Schwabenkinder in der Bachstraße. Zwar wurden die jungen Mägde
und Knechte nicht nur in Ravensburg, sondern auch im bayerischen Kempten, im
badischen Überlingen und in anderen oberschwäbischen Orten wie Tettnang,
Waldsee und Wangen vermittelt. Ravensburg mit dem wohl bedeutendsten
Hütekindermarkt ist aber die einzige Stadt, in der dieses Geschehen im 19.
Jahrhundert bildlich festgehalten wurde. Um 1900 verlagerte sich der Kindermarkt
dann zunehmend nach Friedrichshafen, wo die Kinder direkt mit dem Schiff von
Bregenz ankamen.
Die früheste schriftliche Erwähnung des Ravensburger Marktes findet sich 1829 im Correspondenzblatt des Württembergischen Landwirtschaftlichen Vereins. Darin heißt es: Ein besonderes Interesse gewährt auch der jedes Frühjahr in Ravensburg stattfindende Markt mit Tyroler- und Schweizer Kindern, die daselbst ankommen, um sich an Bauern der dortigen Gegend als Treib- und Hirtenbuben und als Kindsmägde zu verdingen. Vermutlich ist der Kindergesindemarkt jedoch älter. Bereits 1625 werden in einer Quelle im Tiroler Landesarchiv die Städte Ravensburg und Überlingen als Anlauforte der Hütekinder aus dem Montafon genannt.
Die nie endende Diskussion über den sogenannten Ravensburger Hütekindermarkt wird in der Ausstellung anhand verschiedener Ansichten und Meinungen zum Zeitgeschehen wiedergegeben. Die Tondokumente beginnen mit einer Kommentierung des Kindermarktes durch Johann Georg Eben, den Verfasser der ersten Ravensburger Stadtgeschichte von 1835. Sie lassen Dichter und Journalisten zu Wort kommen, geben die engagierte Rede eines Reichstagsabgeordneten von 1903 gegen die Kindermärkte in Süddeutschland wieder und enden mit persönlichen Eindrücken ehemaliger Schwabenkinder. Bekanntlich gipfelte die Entrüstung über die öffentliche Verdingung der Kinder auf Märkten - seit der Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder als Sklavenmarkt angeprangert - 1908 in einer Pressekampagne nordamerikanischer Zeitungen. Die moralische Empörung der Journalisten, die von Menschenhandel, Sklaverei und Mißhandlungen der Kinder sprachen, setzte zwar eine Lawine diplomatischer Aktivitäten bis 'zur höchsten Ebene, der Reichskanzlei in Berlin, in Gang. Für die Kinder selbst verbesserte sich dadurch aber nichts. Die Stimmen aus Übersee, übertriebene Polemik und Empörung, trafen auf ebenso empörtes Unverständnis in der Region und zeigen damit letztlich, wie selbstverständlich die Einrichtung «Kindermarkt» für den Großteil der Bevölkerung zwischen Donau und Bodensee noch zu Anfang unseres Jahrhunderts war.
Die einzelnen Themenschwerpunkte der Ausstellung, mit einheitlichen Text- und Bildtafeln auch als Wanderausstellung konzipiert, folgen in Form eines Rundganges dem Weg und den Erfahrungen der Schwabenkinder: Ein Filmausschnitt über die nackte Armut einer elfköpfigen Tiroler Familie um 1880 läßt die bittere Realität der Alpenbewohner erahnen. Viele dieser kinderreichen Familien, die an steilen Berghängen jede noch so kleine Parzelle bewirtschafteten, sahen in der alljährlichen Saisonwanderung von Kindern, älteren Söhnen und Vätern die oft einzige Möglichkeit, die existentielle Not zu lindern. Eine Quelle aus Tirol von 1839 spricht von jährlich 27000 Saisonwanderern.
Die Ausstellung beleuchtet Ursachen und Anfänge der Schwabengängerei und informiert über die umstrittene Befreiung der Kinder von der Schulpflicht, die sowohl in den Herkunftsländern der Kinder als auch in Württemberg immer wieder zu heftigen politischen Kontroversen führte. Denn während für die württembergischen Kinder von sechs bis vierzehn Jahren laut dem Volksschulgesetz von 1836 tägliche Schulpflicht bestand, wurden die Schwabenkinder alljährlich in ihren Heimatgemeinden von der Sommerschule befreit. Auch in Württemberg besuchten sie keine Schule. Bis 1921 wußte die oberschwäbische Agrarlobby diese stets geforderte Schulpflicht der Schwabenkinder aus ökonomischen Interessen zu verhindern.
Detaillierte Tagesabläufe von Mädchen und Buben während
der Erntezeit, historische Fotos über ländliche Kinderarbeit, die übrigens
bis 1960 keinerlei gesetzlichen Einschränkungen unterlag, sowie die
Rekonstruktion einer Schlafkammer geben Einblicke in die harte Arbeit und den
Alltag der Kinder auf oberschwäbischen Höfen.
Ehemalige Schwabenkinder erinnern sich
Am Ende des Rundgangs durch die Ravensburger Ausstellung sind Briefe und
persönliche Erinnerungsstücke an die Zeit der Schwabengängerei im Original
ausgestellt und - wie bereits erwähnt - Interviews mit ehemaligen
Schwabenkindern aus Graubünden, Tirol und Vorarlberg zu hören. Die Interviews
sind sicherlich nicht repräsentativ für die Erlebnisse von Schwabenkindern
insgesamt, sondern teilen den Besucherinnen und Besuchern vielmehr individuelle
Erfahrungen aus ihrer Zeit in Oberschwaben mit. Alle Interviews stammen aus der
Endphase der Schwabengängerei. Aufzeichnungen von Schwabenkindern aus der
Hauptphase der Schwabengängerei um 1830, als jährlich ca. 4000 bis 5200 Kinder
den weiten Weg nach Oberschwaben antraten, würden uns sicherlich noch ganz
andere Perspektiven auf diese jugendlichen Saisonarbeiter vermitteln.
Die späten Schwabenkinder berichten mit nüchterner Selbstverständlichkeit aus ihrer Kindheit und Jugend; bei vielen dominieren positive Erfahrungen, manche erzählen im Zusammenhang mit der Schwabengängerei auch von Neugier und Abenteuerlust. Der Stolz auf die frühe Selbständigkeit und auf den geleisteten Familienunterhalt kommt vor allem in den Erinnerungen derjenigen zum Ausdruck, die auch später ihr Leben erfolgreich zu meistern wußten.
Armut, Entbehrungen, Heimweh und harte Arbeit haben die
frühe Jugendzeit der meisten Schwabenkinder geprägt. Ihr oft unsentimentaler,
manchmal auch verklärender Rückblick macht deutlich, wie sich die Lebensphasen
Kindheit und Jugend in den letzten Jahrzehnten gewandelt haben. Heute tragen
nicht zuletzt die Trennung von Arbeit und Lernen, die Ausweitung der
Schulpflicht und die Spezifizierung der Berufsausbildung zur stetigen
Verlängerung der Kinder- und Jugendzeit bei, aber auch zum Hinauszögern des
Schritts in die Selbständigkeit.
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Zur Arbeit in die Fremde: Die Montafoner zogen als Krautschneider mit ihren Krauthobeln bis nach Holland oder auch Ungarn. |