Zeitung - 30.11.2002
In den sechziger Jahren beginnt das Ladensterben in Alt- - 42 alteingesessene Geschäftsleute geben am Ende auf
(p) - Die Innenstadt hat sich in
den letzten Jahrzehnten gewandelt. Ladensterben ist ein heißes Thema. Gerade in der
Vorweihnachtszeit vermissen vor allem die älteren Bürger die Vielzahl von
Lebensmittelläden, die noch in den fünfziger Jahren das Ortsbild s mit seiner
mittelständischen Einrichtung mitgeprägt haben.
Die Bewohner des alten Stadtteils waren vielfach landwirtschaftliche Selbstversorger.
Das Kaufinteresse konzentrierte sich deshalb dort speziell auf Salz, Zucker, Senf,
diverse Gewürze und Reinigungsmittel, wie Soda, Kern- und Schmierseife. Gelegentlich
wurden in so genannten Gemischtwarengeschäften auch Textilien, insbesondere
Unterwäsche, Arbeitskleidung oder Nähwaren angeboten.
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| Einzelhandel-Idylle aus früherer Zeit:
der Gemischtwarenladen von und Berta Frey in der Weimerstraße in . |
Foto: z |
Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden unter dem Sammelbegriff Kolonialwaren
insbesondere Südfrüchte mitvermarktet. Fast alle Artikel waren unverpackt und wurden in Schubladen, Kisten,
Säcken oder Eimern feilgehalten. Die wichtigste Einrichtung des Ladens war
deshalb die Waage. Konnte sich ein Ladeninhaber eine automatische leisten, zählte er schon zu den
Vornehmen der Branche. Der Duft von Pomeranzen, Rosinen, Gewürznelken, Muskatnuss, Kaffee und so
weiter gehörte zum Flair der Läden und steigerte mitunter das Kaufinteresse. Wen wundert
es deshalb, wenn heute in Supermärkten versucht wird, diese Atmosphäre zu
simulieren.
Mit den sechziger Jahren setzte in der Verdrängungswettbewerb durch die
Filialbetriebe von Konsum, Nanz und Gaissmaier ein. Waren diese anfangs auch noch
im Ortskern, so kam durch die Ansiedlung von Großmärkten auf der grünen Wiese das
völlige Aus für den Einzelhandel.
Bei einem Spaziergang durch das der fünfziger Jahre waren noch folgende
Ladentüren offen, erinnern sich der ehemalige Stadtbrandmeister Richard Seeger und
Alt-Stadtrat Gerhard Aldinger:
Von diesen aufgeführten 42 "Tante-Emma-Läden" existiert heute kein einziger mehr.
"Dies sollte nachdenklich stimmen", sagt Gerhard Aldinger. Einziger Überlebender
ist der 1962 angesiedelte Feinkostmarkt Hastolz an der Ecke Frizstraße/Dr.-Julius-Mayer-Straße
."Wir können das Rad nicht mehr zurückdrehen. Wenn heute allerdings so
oft Wehklagen über mangelnde Einkaufsmöglichkeit in der Innenstadt zu hören ist, so
sollte sich mancher überlegen, ob er durch sein eigenes Einkaufsverhalten vor 20 oder
30 Jahren nicht dazu beigetragen hat, dass er jetzt vielleicht im Alter ein Taxi braucht,
um sich das Notwendigste zu besorgen", sagt Gerhard Aldinger, der als FW/FD-Stadtrat viele Jahre die Weichen in der Stadt
mit gestellt hat.