April 1981: 25 Jahre Große Kreisstadt Fellbach
Wolfsangel oder Wolfsanker:
Fellbachs Stadtwappen ist falsch
25 Jahre „unter falscher Flagge"
Heraldisch zwar einwandfrei, aber die Bezeichnung stimmt nicht
Im Jahre 1956 - genau am 1. April - wurde Fellbach zur „Großen
Kreisstadt" erhoben. Anläßlich dieser Gelegenheit wurde das alte
Stadtwappen ausrangiert und ein neues entworfen. „Heraldisch nicht
einwandfrei", sei das alte Wappen mit dem großen F, der Traube und dem
Geweih. Immanuell Knayer, ein Stuttgarter Heraldiker bekam daraufhin den
Auftrag, „ebbes G'scheits" zu machen, und aus insgesamt vier Entwürfen
suchten sich die Fellbacher den aus, den heute jedes Kind der Kappelbergstadt
kennt. Als Vorlage diente das Wappenbild der ältesten bekannten
siegelführenden Ortsherrn von Fellbach, der Herren von Stein. Dieses Wappen,
das sich im Original in Schwarz und Gold präsentiert, stand nun für die „Große
Kreisstadt Fellbach": drei weiße „Wolfsangeln" auf rotem Grund. Ein
schönes Wappen, heraldisch ganz bestimmt einwandfrei - aber von der Sache her
bestehen doch einige Zweifel: Denn nicht Wolfsangeln sind hier abgebildet,
sondern Wolfsanker.
Es war purer Zufall, daß Peter Kötz, ein begeisterter Parforce-Jager und
Hobby-Heraldiker, der falschen Wappenbezeichnung auf die Spur kam. Anläßlich
des Fellbacher Herbstes 1980 wollten die Jäger der Kappelbergstadt einen
historischen Wagen bauen, der sich mit Jagd und Jägern des 13. und 14.
Jahrhunderts beschäftigt. Da sollten natürlich die berühmten „Wolfsangeln"
aus dem Wappen nicht fehlen. Peter Kötz bekam den Auftrag, sich um diese Sache
zu kümmern und zu ergründen, wie groß diese in natura gewesen sind und wie
sie genau verwendet wurden.
Bei seiner Suche nach Material wurde er im Deutschen Jagdmuseum in München zwar
fündig, mußte aber dabei feststellen, daß Feilbach seit jetzt 25 Jahren „unter
falscher Flagge segelt". Das Jagen mit der Wolfsangel war eine schon Ende
des 8. Jahrhunderts angewendete, sehr grausame Art, Meister Isegrim ans graue
Fell zu gehen. Diese Jagdmethode wurde während des ganzen Mittelalters
beibehalten und Darstellungen sowie Stilisierungen fanden auch bald in der
Heraldik Eingang.
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| Fellbacher Wappen und Zeichnung einer echten Wolfsangel |
Der Kunsthistoriker R. König-Warthausen hat sich schon Ende des 19. Jahrhunderts eingehend mit diesem Problem beschäftigt und im Jahre 1889 in den „Württembergischen Vierteljahresheften für Landesgeschichte" eine Wolfsangel folgendermaßen beschrieben: „Es handelt sich um ein zehn Zentimeter langes, beiderseits zugespitzes Flacheisen, das auf jeder Seite einen spitzwinklig eingeschnittenen, je nach dem anderen gegenüberstehenden Widerhaken hat. In der Mitte ist das Eisen durchbohrt und hängt an einer 40 Zentimeter langen Kette. Am oberen Teil der Kette befindet sich ein halbmondfärmiger, in einen Dorn auslaufender Anker". Es handele sich hierbei, wie König-Warthausen ausführt, um eine „neue und verbesserte Ausführung, denn die ursprüngliche Form des Ankers war ein einfacher Halbmond.
Dieser Halbmond (Wolfsanker) wurde
über eine Astgabel gehängt, an die Wolfsangel kam ein Stück Fleisch, Meister
Isegrim schnappte danach und die Spitze der Angel durchbohrten ihm die Schnauze,
so daß eine Selbstbefreiung nicht mehr möglich war.
Die älteste bis heute bekannte Darstellung findet man im Gerichtssiegel des
Städtchens Wolf an der Mosel. Dieses Siegel stammt aus der Zeit Ende des 15.
Jahrhunderts, und auch das Siegel des Revaler Bürgermeisters Johann von Grest
aus dem Jahre 1493 zeigt eindeutig eine Wolfsangel, die ähnlich wie ein
zusammengedrücktes Z aussieht.
Was aber immer wieder - und nicht nur im Fellbacher Wappen allein - als Wolfsangel bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit der Wolfsanker, nämlich der Teil, der über der Astgabel befestigt wurde. Peter Kötz: "Stutzig wurde ich durch die Tatsache, daß in der Heraldik Gebrauchsgegenstände immer in der Gebrauchslage abgebildet werden. Ein Anker also wird zum Beispiel niemals mit der Spitze nach oben stehen." Beide Teile des Fanggerätes finden sich häufig in Wappen. Auffälligerweise ist der Anker vorwiegend im süddeutschen, die Angel vorwiegend im nord- und westdeutschen Raum vertreten. Wie auch in Fellbach, werden vom Anker meistens drei Stück übereinander dargestellt, wobei der Ring nach unten weisen muß.
Anca Borho
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| Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Schmiden |
Das Wappen der früheren Gemeinde Oeffingem |